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in Germany
BLÜTHNER
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- 1 Concertflügel mit Schrägübereinanderlaufenden Saiten, eisernem Stimmstock, 7 ½ Octaven Mechanismus mit ununterbrochener Auflösung, Nussbaumholz mit antiker Schnitzerei; - 1 Concertflügel derselben Construction in Jacaranda- (Polisander-) Holz;- 1 Stutzflügel, 7 Octaven, von, A bis A, Mechanismus mit ununterbrochener Auflösung; - 1 Pianino, dreichörig, mit überkreuzliegenden Saiten, 7 Octaven, von A bis A, Forte- und Harfen-Pedal, in Eichenholz, antik geschnitzt; - 1 Pianino derselben Construction in Nussbaum mit Ebenholzschnitzerei. In der 1856 gegründeten Fabrik werden gegenwärtig mit ca. 200 Arbeitern ungefähr 250 Flügel und über 200 Pianinos jährlich gefertigt. Die Instrumente finden hauptsächlich ihren Absatz in ganz Deutschland, Italien, der Schweiz, Holland, England, Schweden und Norwegen, Russland und Ostindien." Amtlicher Special-Catalog der Ausstellung Preussens und der Norddeutschen ..., 1867, p. 41
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- 1 pianino. In dem seit 1853 besehenden Geschäft werden mit 110 Arbeitern und einem Betriebscapital von 80,000-100,000 Thlr. jährlich 500 Stück diverse Pianoforte producirt." Amtlicher Special-Catalog der Ausstellung Preussens und der Norddeutschen ..., 1867, p. 41
1873
Vollständige Pianoforte-Fabrik. 1871 wurden 394 Flügel und 401 Pianinos, sowie 8 tefelförmige Instrumente für 261,851 thlr. gefertigt. Absatz zur Hälfte in Deutschland, theilweis auch über See. Direct Personal 17 Pers. 410 Arb. [Arbeiters] in der Fabrik, 50 ausserhalb. Dampfm. von 25 Pf.Stärk." Amtlicher Katalog der Ausstellung des Deutschen Reiches, Weltausstellung 1873, Wien, p. 520
Die Firma wurde im Jahre 1853 gegründet; ihre Fabriksgebäude umfassen jetzt eine Fläche von 40.000 Quadratfuss (der Ankauf des angrenzenden Grundstückes von derselben Ausdehnung ist ebenfalls in Aussicht genommen und bilden eine Zierde der Westvorstadt in Leipzig. Das Arbeiterpersonale besteht aus 420 Köpfen und findet sich in So Arbeitssälen vertheilt; 3 Magazine sind für die Aufbewahrung und Vorbereitung des Materiales bestimmt. Hölzer sind stets für 10.000 Instrumente vorräthig und dieHolz-Wärmeräume haben hinlänglich Platz für das Material zu 800 Instrumente, dessen gleichzeitige Austrocknung in bester Weise bewirkt werden kann, da in diesen Räumen sich eine Wärmesteigerung bis zu 50 Grad erzielen lässt; 4 grosse Säle dienen zur Aufbewahrung der im Bau begriffenen, und 5 kleinere Säle zur Aufstellung der fertigen Instrumente; auch ein prächtiger Concertsaal reiht sich an diese Räumlichkeiten. In der Fabrication herrscht das Princip der Arbeitstheilung, für jedes kleine Theilchen des Pianofortes sind besondere Arbeiter bestellt, welche nur immer diesen einen Theil anfertigen und dadurch natürlicherweise in Folge fortgesetzter Uebung die grösste Geschicklichkeit erlangen; für jede Arbeitsabtheilung ist ein eigener Werkführer aufgestellt, die wieder von einem praktisch gebildeten Inspector überwacht werden, wodurch eine fortlaufende Controle der Arbeiter erzielt wird. Die Säle reihen sich so aneinander, dass beim Transportiren der Instrumente zur weiteren Vollendung nicht der geringste Zeitverlust entsteht. Drei Fahrstühle, die durch Dampf in Bewegung gesetzt werden, vermitteln den Transport zwischen den verschiedenen Etagen. In den Parterreräumlichkeiten befindet sich die Tischlerei zur Anfertigung der Kästen (Corpora) und im Souterrain der Gebäulichkeit die Schlosserei, zwei Schmiede-Werkstätten mit 58 Arbeitern und 11 Dampfmaschinen. Die Fabrik liefert monatlich circa 80 Flügel und 50 Pianinos, welche in Deutschland, im übrigen Europa und Amerika ihren Hauptumsatz finden. Aber Blüthner wirkt nicht nur praktisch in seinem Fache, sondern auch theoretisch. Das von ihm und Dr. Gretschel verfasste und in Weimar bei Voigt erschienene Lehrbuch des Clavierbaues ist für Claviermachergehilfen und angehende Pianofabrikanten von unbedingt grossem Vortheil, da es überhaupt das einzige Werk ist, welches nach den grossen Fortschritten der letzten Jahre in lavierbau über denselben in deutscher Sprache erschienen ist. Aus Blüthners Fabrik trafen wir in der Ausstellung zwei Concert- und einen Salonflügel an; unter den beiden ersten einen mit Erard'scher Mechanik, die beiden anderen mit Blüthnerscher Mechanik. In neuester Zeit ist Blüthner mit einer Mechanik aufgetreten, welche die höchste Beachtung verdient. Dieselbe erreicht in allen Ansprüchen, welche der Pianist an eine gute Mechanik stellt, diejenige Erard's, von deren Grundsystem sie ihrem Wesen nach, wie alle neueren Mechaniken, ihren Ausgangspunkt genommen hat. Durch zwei Schrauben wird eine Brücke auf den Claves festgehalten, an deren Ende sich ein drehbarer Stösser befindet; daran ist ein horizontaler Arm, welcher durch eine zarte Feder vom Clavis weggedrückt wird. Der Stösser sitzt unter einer gepolsterten Nase des Abstractes, in dessen unterem Ende ein Metallstift angebracht ist, welcher in einem Schnabelleder spielt, während das obere Ende in einer Gabel ausläuft, in welcher sich eine durch die Hammernuss gehende Achse befindet. Zwei Knöpfchen begrenzen die Bewegung des Stössers. Eine rechtwinklig gebogene Drahtfeder, welche theils in der Brücke, theils im Abstract befestigt ist, hält letzteren oben, wenn der Clavis vorne niedergedrückt bleibt, und auch der Stösser ausgelöscht worden ist, und ermöglicht auf diese Art in ebenso einfacher als vorzüglicher Weise die Repetition. Das System auf den zwei Federn gibt dem ganzen Mechanismus einen bedeutenden Grad von Elasti cität und gestattet die feinsten Nuancirungen des Anschlags. Die Mechanik wurde bereits im Jahre 1856 patentirt. In Folge einiger angebrachten Veränderungen namentlich durch das Verstellen der Drehpunkte ist sie aber jetzt zu ihrer äussersten Vollendung gelangt und hat auf der Wiener Weltausstellung sich mit Recht den ersten Platz unter den besten Mechaniksystemen erobert. Die drei vorgeführten Instrumente gehören überhaupt zu den vollendetsten, was uns das deutsche Reich, ja die Ausstellung auf diesem Terrain vorführte und bewährt den Ruhm der Firma aufs beste. Wenn bei den Schiedmayerschen Pianos ein anmuthiges, weiches Klangwesen in den Vordergrund tritt, so zeichnet sich hier, namentlich bei den grossen Flügeln, der Ton durch Grösse, Breite und insbesondere durch eine ungemeine Schattirungsfähigkeit aus; er ist dazu edel, gesangvoll und jeder Modulation fähig. Auf Grund so glänzender Eigenschaften, zu denen noch die leichte und bequeme Spielart zu rechnen ist, hat die Jury Herrn Blüthner mit dem Ehrendiplom bedacht." Musikalische Instrumente: (Gruppe XV), Eduard Schelle, 1873, p. 37 - and - Officieller Ausstellungs-Bericht, 1874, p. 37-38
BLÜTHNER, Julius - Leipzig.
Upright Pianos.
This maker has a well founded and world wide reputation, and his instruments are publicly known in Melbourne." Der Klavier-Lehrer, 15/06/1880, p. 144
The acoustic qualities of this portion of the building are so superior that it has been proposed to remove the instruments entered for competition to this saloon, and to have the tone of all tested in succession under equal advantages." The Sydney Morning Herald, 09/12/1880, p. 7 (trove.nla.gov.au)
The tone is very powerful and rich ; it is also very regular throughout the entire scale, and does not lack that sweetness so often wanting in full and deeply-toned instruments. All makers are striving by different means to sustain the sounds. The sostenente in the treble of this instrument is equally produced by a duplex scale on the aliquot system : over the strings struck by the hammer is stretched another string, which vibrates by sympathy with the others, and thus continues the vibration imparted to them. Mr. Blüthner, who has tried this system with two and three strings, has wisely returned to his first essay, with only one string. The pianos are well constructed, and the action, which is an excellent repetition mechanism, is well made. A semi-grand piano exhibited by them maintains fully the reputation of this celebrated maker. First award. [...] COTTAGE PIANOS. [...] BLUTHNER. - A large pianoforte, in a handsomely carved oak case. The tone is sweet and pure, the touch excellent. The power of this instrument is greatly diminished by the fact of the case being made of oak, which wood when used solid, as in this piano, and not as a veneer, prevents the vibration, and concentrates the sound much more than in a piano of veneered pine. First award." Official Record: Containing Introduction, History of Exhibition, Description ..., 1882, p. 46+49
MELBOURNE - "Messrs. Gunther & Soehne, of Kirchheim, show a short grand in black case, overstrung, seven and a quarter octaves; also an upright grand of similar compass, overstrung, with extra overdampers to bass on account of heavy stringing. Messrs. Allan & Co. have other exhibits to arrive, which will be noticed in due time." Musical Opinion and Music Trade Review, Volume 12, 01/11/1888, p. 84
Amongst Mr. Blüthner's improvements in the development of the pianoforte is the "aliquot system," for which he claims that it produces "the finest singing quality of tone ever heard in a grand piano." The aliquot system consists of a fourth string in the treble suspended above the trichord, and tuned in unison with it. The hammer strikes only the trichord, but the aliquot string reenforces the tone of the trichord by vibrating in sympathy with it. This instrument is a fine specimen of its class, and is seven and a quarter octaves in compass. A semi grand, in handsome figured walnut case and extra mouldings, seven octaves compass, aliquot overstrung system. An upright grand, overstrung, in plain Italian walnut case, panelled front, carved pilasters, and diagonal borders, a good looking instrument, with antique candelabra and handles, seven octaves compass. A cottage piano, with vertical stringing, Italian walnut case, ornamented, and same compass as last named instrument. An upright grand overstrung piano in walnut case, and a cottage piano, overstrung, in ebonized case. Many of these Blüthner instruments are surmounted by small glass cases, containing models of pianoforte "actions. Mr. Julius Blüthner was a first prizetaker at the last Melbourne Exhibition." Musical Opinion and Music Trade Review, Volume 12, 01/11/1888, p. 84-85
Productie tot 1883, 21,000 stuks. Eerste prijzen: Merseburg 1865, Parijs 1867, Chemnitz 1867, Cassel 1870, Weenen 1873, Philadelphia 1876, Puebla 1878, Sydney 1880 vleugels, Sydney 1880 pianino, Melbourne 1881 vleugel, Melbourne 1881 pianino." Officieele Catalogus der Internationale, Koloniale & Uitvoerhandel Tentoonstelling van Amsterdam, 1883, p. 62
The Aliquot pianoforte, as it is termed, is an overstrung instrument with a fourth string tuned in the octave. It is not struck by the hammers, but, on a well-known acoustic principle, it strengthens the second harmonic." The Athenaeum: Journal of Literature, Science, the Fine Arts, Music and ...,20/06/1885, p. 800
- 8 Flügel in verschiedenen Grössen und Ausstattungen.
Julius Blüthner.
Herr Kommerzienrat Blüthner kann als Pianofabrikant dies stolze Wort getrost von sich gebrauchen, so gut wie Steinway und Bechstein. Der rühmliche Träger dieses klangvollen Namens, der, am 11. März 1824 zu Falkenhain bei Merseburg geboren, im Winter des Jahres 1853 mit 3 Arbeitern sein Geschäft begründete und heute eine Fabrik mit 600 Arbeitern (neben einem Magazin in London mit 100 Arbeitern) mit alter Geistesfrische leitet, ist heute Hof-Pianofortefabrikant König Alberts von Sachsen, Hoflieferant der Kaiserin von Deutschland, Hoflieferant des Kaisers von Österreich u. s. w. u. s. w., Ritter des Sächsischen Albrechtsordens I. Klasse, des Preussischen Kronenordens, des Dänischen Danebrogordens u. s. w. u. s. w., sowie, abgesehen von vielen anderen höchsten Auszeichnungen, Inhaber von 11 Weltausstellungspreisen.
1. Januar 1880 hatte Julius Blüthner schon 15000 Instrumente
hergestellt; heute baut seine gewaltige Fabrik gar täglich 10
Instrumente; nach dieser Angabe wundert es gewiss niemand mehr, dass
im Augenblick bereits nahezu 47000 Blüthner existieren, welche Zahl
nicht nur in Deutschland unübertroffen dasteht. Trotzdem oder vielleicht auch deshalb ist er vertreten mit 18 Instrumenten, von denen acht Flügel und zehn Pianinos. Die Instrumente sind zum Teil nach dem Aliquotsystem, zum Teil auch ohne dieses gebaut. Dass die Aliquotsaiten selbst noch bei einer Spannung (d. h. einem Abstand) von 4 Oktaven mitschwingen, dürfte als wohl nicht allen bekannt an dieser Stelle interessieren; dabei funktioniert die Dämpfung bei ihnen so exakt wie bei den eigentlichen Saitenchören. Die Repetitionsmechanik der meisten Instrumente ist die vor allen den Blüthnerschen Pianinos so sehr zu statten kommende Blüthnersche Patent-Repetitionsmechanik. Von dem Absatzgebiet der Blüthnerschen Instrumente zu sprechen, kann ich füglich unterlassen.
Die in ihrer Güte ja genugsam bekannten Fabrikate wieder einmal zu
loben, hiesse Eulen nach Athen tragen; ich zähle deshalb einfach
auf, wobei ich von rechts nach links gehend erst die hinten
stehenden Pianinos und dann von links nach rechts die vorne
prangenden Flügel der Reihe nach bespreche.
Gespielt werden die Instrumente von einer Schülerin Eugen d'Alberts
und Theresa Carenos; es ist das der Leipziger Musikwelt nicht
unbekannte, in Königsberg (in Preussen) geborene Fräul. Mathilde
Pabst. (Dass die Dame sich eben am ersten Pfingstage mit dem Maler
Toni Aron aus München verlobt hat, von dem die künstlerische
Ausschmückung von Dürkheimers Weinrestaurant herrührt, dürfte nicht
unbemerkt geblieben sein. Ehen werden danach also doch nicht nur im
Himmel geschlossen; es giebt auch glückliche Ausstellungsehen!)
Repetitionsmechanik: Blüthners Patent-Repetitionsmechanik.
Das Absatzgebiet der Blüthnerschen Flügel und Pianinos ist dasselbe
wie das der „Fliegenden Blätter“, der „Gartenlaube“ und das der
„Illustrierten Zeitung", mit anderen Worten die ganze Welt. Dieser
Umstand macht es erklärlich, dass die Firma Blüthner. trotzdem sie
noch nicht ganz 44 Jahre besteht, heute bereits 47000 Instrumente
fabriziert hat. Der zu Falkenhain bei Merseburg am 11. März 1824
geborene hundertfach ausgezeichnete Kommerzienrat Blüthner gebietet
heute in Leipzig über 600 Arbeiter, in London über 100; diese an
sich gewaltige Zahl gewinnt ihre wahre Bedeutung erst, wenn man
bedenkt, dass die Fabrik zur Zeit ihrer Gründung 3 Arbeiter zählte.
Die Musik im modernen Haushalt. Siegende Flügel.
Von den insgesamt neun Instrumenten, fünf Flügeln und vier Pianinos die Julius Blüthner in Brüssel ausgestellt hat, befinden sich acht in einem besonderen Ausstellungsraume des Deutschen Hauses, den das diesem Aufsatze vorgesetzte Bild veranschaulicht, wogegen das neunte Ausstellungs- instrument, ein prächtiger Aliquot-Flügel in hellem, mit schwarzen Randleisten und Säulen durchsetztem Eichenholzgehäuse, das gleich dem deutschen Hause selbst nach Entwürfen des Herrn Prof. Emanuel von Seidl angefertigt worden ist, als ein köstliches, allgemeine Bewunderung erregendes Schmuck- und Gebrauchsstück im Empfangssaale des Deutschen Hauses prangt. Gleich diesem außerordentlich vornehmen Paradestücke allermodernster Ausstattungskunst fesseln auch zwei andere, hier zu Anfang und am Schluß des Artikels abgebildete Blüthnersche Ausstellungs-Flügel ebensowohl durch mustergültige Spielmechanik und edelste Schönheit und Fülle des Klanges wie auch durch großkünstlerischen Reichtum der äußeren Zurichtung : ein Aliquot-Stutzflügel in feingetöntem, dezent mit Holz- und Bronze-Intarsien belebtem Palisandergehäuse, und ein Aliquot-Salonflügel, dessen luxuriös mit Bronzen und mit vergoldeten Schnitzereien ornamentiertes Mahagonigehäuse im Stile des Directoire gehalten ist. Die Gehäuse zu den letzterwähnten zwei Instrumenten wurden von der namhaften Kunstmöbelfabrik Heinrich Pallenberg in Köln am Rhein entworfen. Ähnliche Mannigfaltigkeit der Ausstattung bei gleicher Tonqualität weisen die vier ausgestellten Pianinos auf, von denen hier nur eines : ein in modernem Louis-Seize-Stil mit bronze-ornamentiertem Mahagonigehäuse versehenes kreuzsaitiges Musterinstrument, abgebildet werden konnte. Ein Rokoko- Pianino in Nußbaumgehäuse, eines in Zitronenholzumkleidung und ein schwarz poliertes ergänzen die schöne Schau Blüthnerscher Seelenflieger, die schon Pianino in modernem Louis-Seize-Stil. manches musikliebende Herz in süßer Sehnsucht nach dem Besitze eines „Blüthner" schwellen gemacht hat und die rechtens mit der Verleihung des Grand Prix belohntworden ist. Nur wenige Monate ist es her, daß ein unübersehbares Trauergefolge den im Alter von sechsundachtzig Jahren dahingeschiedenen Geh. Kommerzienrat Julius Blüthner, den ungemein klangkundigen und arbeitskräftigen Gründer der Blüthnerschen Instrumentenfabrik, letzten Ruhestatt auf dem Leipziger Johannisfriedhofe hinausgeleitete, und so bedeutet denn der Brüsseler Erfolg einen ersten posthumen Weltsieg der nun bald das sechste Jahrzehnt ihres Bestehens vollendenden und bereits weit über das achtzigtausendste Instrument hinausgelangten Firma, einen Sieg, der vollgültig erweist, daß die dem Fabrikbetriebe nunmehr vorstehenden drei Söhne des Verstorbenen, die Herren Max, Robert und Bruno Blüthner, und das alterprobte Geschäfts- und Arbeiterpersonal der Hof-Pianoforte-Fabrik Julius Blüthner das Ruhmeserbe des großen Flügelspenders wohl zu wahren und zu mehren wissen. Der seit Jahren schon mächtig angewachsene Komplex von Fabrikgebäuden ist in jüngster Zeit durch Hinzukauf mehrerer Grundstücke noch wesentlich erweitert – und das Arbeiterheer auf achthundert Mann verstärkt worden, so daß denn die Firma Julius Blüthner sich in der Lage befindet, die in übergroßer Zahl einlaufenden Bestellungen bei gewissenhafter Durcharbeitung jedes einzelnen Instrumentes prompt ausführen zu können, und wie für den Privatgebrauch SO steht auch für die nu nun bald anhebende Konzertsaison wieder eine reiche Rüstkammer vorzüglichster Blüthnerscher Seelen-Flugapparate bereit. Da findet man die nahezu drei Meter langen, ganz überaus klangfülligen „großen Konzertflügel", die um weniges kürzeren „Salonflügel“ und die für kleinere Räume abgestuften ,,Stutzflügel“ und "Kabinettflügel", zum Teil ausgerüstet mit dem von Julius Blüthner erfundenen, die Tonregister ausgleichenden und Klang und Gesang der Töne mehrenden „ Aliquot-System", von dem Moritz Rosenthal bewundernd anerkannte : „Jede Nuance, vom ätherischsten Pianissimo bis zum donnerndsten Fortissimo findet hier ihren entsprechenden vollen Ausdruck, und dabei ist der Ton von entzückender Noblesse und enormer Tragfähigkeit. "Daneben prangen köstliche Pianinos, die in drei verschiedenen Höhen- und Breitenmaßen sowohl kreuzsaitig als auch gradsaitig angefertigt werden und deren äußere Ausstattungen -gleich - wie auch bei den Flügeln - allen verschiedensten Geschmacksrichtungen entgegenkommen. Der Preis aller dieser Instrumente umfaßt die Skala von 3600-950 Mark, und noch etwas teurer stellen sich die für den großen Export nach den Tropenländern besonders angefertigten Flügel und Pianinos. Diese Preise entsprechen durchaus dem hohen, dauernden Werte der Fabrikate; ein guter ,,Blüthner" ist wie für die Ewigkeit gearbeitet, und jüngst erst bekam ich eine Karte von Raoul von Koczalski zu Gesicht, auf der es heißt : „Heute spiele ich hier in der Gesellschaft « Eintracht »; als ich im Saale Umschau hielt, bemerkte ich in einer Ecke einen Flügel, der äußerlich auf ein hohes Alter schließen ließ. Ich öffnete das Instrument und bemerkte zu meinem nicht geringen Erstaunen, daß es ein Blüthnerflügel war, und zwar Nr. 803 ! Der gute alte Kerl klingt noch ganz ausgezeichnet und macht seinem Namen alle Ehre ! Arthur Smolian." Illustrirte Zeitung, Volume 135, Nr. 3509, 29/09/1910, p. 586
Als Füllung der Paneele diente eine Bespannung mit gelbgrauem Samt, über welchem Bilder aus dem Fabrikationsbetriebe angebracht waren. Diese bildeten einen hübschen Abschluß zwischen den Paneelen und dem oberen Teile der in Rot und Gold gehaltenen Wand. Die Decke war in schlicht Graubraun getönt; große Fenster mit Bleifassung, die ihr Licht vom Hof erhielten und mit dezenten, matten Scheiben und hochhegenden Fensterbänken, auf denen lebende Pflanzen standen, versehen waren, gaben den Räumen eine reizvolle 'Gesamte Wirkung. Die Fenster selbst waren durch schmale, rotbraune Vorhänge eingefaßt.
Im oberen Raum, welcher seinen Ausgang nach der Industriehalle hatte, stand ein prächtiger Flügel im Directoirestil (siehe Abbildg.) aus schüchtern Mahagoniholz mit schwarzen Intarsien. Anstatt der Bronzen war er mit reicher, alt vergoldeter Bildhauerarbeit versehen, die in ihrer Wirkung von echten Bronzen kaum zu unterscheiden war. Daneben stand ein einfacher schwarzer Konzertflügel. Beide Flügel waren, wie alle Blüthnerflügel, mit Aliquotsystem versehen. Einige zeigten eine reichvergoldete, ziselierte Eisenplatte.
In demselben Raume befanden sich drei Pianinos in verschiedenen Größen mit Oberdämpfung (siehe Abbildung eines Pianinos), darunter ein geradsaitiges Piano Wundervoll war bei diesen Instrumenten die Ausstattung in reicher Intarsienarbeit (Die prächtige Intarsienarbeit kommt in der photographischen Reproduktion bei dem hier abgebüdeten Pianino leider nicht zur Geltung, ebensowenig wie bei dem ebenfalls abgebildeten herrlich eingelegten Aliquot-Stutzflügel in Palisander.), die aber doch durchaus dezent in der Farbe wirkten; sie bildeten also genau das Gegenteil von dem, was ich von der ebenfalls reichen Intarsienarbeit der spanischen Instrumente zu sagen hatte.
Einige Stufen führten dann in den unteren Raum, der durch seine etwas größere Höhe auch akustisch ganz vorzüglich war. Eine sehr hübsche und interessante Zeichnung bot ein Flügel in Jakaranda, bei dem ebenfalls die fleißige und vornehm wirkende Intarsienarbeit erwähnenswert ist. Recht originell machten sich die Füße dieser formschönen Flügel, die ovale und durchbrochene Verzierungen aus Metall zeigten. Linienführung und Farbe dieser Flügel sind durchweg sehr harmonisch. Als etwas störend für das Auge habe ich bei einigen Flügeln nur empfunden, daß die Eisenrahmen sich dem eckigen Kastenbau nicht anpassen, so z. B. bei dem Flügel im Gesellschaftssaal der deutschen Hauses, wo mir die mit Holz ausgefüllten Ecken im Innern des Flügels auffielen. Von den Blüthnerflügeln möchte ich jetzt einen Abstecher nach dem vordersten Teile der Industriehalle machen, in dem sich in der Abteilung für Raumkunst die meisten deutschen Kunstwerkstätten und Architekten für Innenkunst ein Rendezvous gegeben hatten. Über das, was hier geschaffen wurde, ließe sich sehr viel schreiben, jedoch würde das den zur Verfügung stehenden Raum weit überschreiten. Hier hatte u. a. Prof. H. Billing-Karlsruhe einen Musikraum geschaffen, der in seiner Anordnung wie Ausführung Mustergültiges bot. Dieser Raum war gänzlich ohne Fenster und wurde durch eine Oberlichtkuppel erhellt." Zeitschrift für Instrumentenbau, Bd.: 31. 1910/11, Leipzig, 1911, p. 232-233 (digitale-sammlungen.de)
BLÜTHNER
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