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BLÜTHNER
in
Leipzig

1865

Julius BLÜTHNER
(1824 - 1910)

"Blüthner, Jul. Ferd., geb. 11. März 1824 in Falkenhain bei Merseburg, unstreitig in der Gegenwart einer der ersten Pianofortebauer; seit 1854 blüht seine Fabrik in Leipzig, und zeichnen sich namentlich seine Flügel besonders aus durch eigen erfundene Mechanik, welche jeder Spielart dient. Der Ton ist gross, klar u. voll, u. die Haltbarkeit der Instrumente lässt Nichts zu wünschen übrig.

Im Jahre 1856 erhielt Blüthner auf seine Flügelverbesserung vom sächsischen Ministerium ein Patent. 1863 ist er mit Concertfügeln neuer Construction eigener Erfindung hervorgetreten, symmetrischer Form, in welchen doppelte Resonnanzboden mit schräg überliegenden Basssaiten.

Bei einer dem Auge schmeichelnden äussern Verschönerung hat B. durch die innere Verbesserung eine Klangfülle erzielt, welche die weltberühmten Erards vielleicht noch übertrifft." Kleines musikalisches Conversations-Lexikon ein encyklopaedisches Handbuch ..., 1865, p. 45

1868

"Dagegen hob sich Deutschland von diesem steifen und eckigen Hintergrunde als ein Bild der Intelligenz vortheilhaft ab. Vor allen glänzte der symmetrische Flügel von Julius Blüthner aus Leipzig mit feiner Schnitzarbeit von Schneider ebendaher.

Das Instrument war auf der ganzen Ausstellung das einzige in dieser Form und erwarb sich die hohe Anerkennung der Sachverständigen. Unter den europäischen Fabrikaten nehmen diejenigen Blüthner's unbestreitbar einen sehr hohen Rang ein, und wäre Norddeutschland durch einen Juror vertreten gewesen, so würde ihm sicherlich die goldene Medaille zuerkannt worden sein; denn dass dieselbe Streicher in Wien für Deutschland allein erhielt, scheint uns sehr natürlich zu sein, weil Oesterreich durch den Juror Herrn Professor Dr. Eduard Hanslick vertreten war, dessen im Jahre 1862 von ihm selbst niedergeschriebener Grundsatz wie bereits bemerkt dahin lautet :

„Die Unbefangenheit der Richter setzen wir (bei internationalen Ausstellungen) vollständig voraus, wenngleich Niemandem unbekannt ist, wie jeder Juror vor Allem seiner eigenen Nation die grösste mögliche Zahl von Medaillen durchzusetzen trachtet und dadurch ein System gegenseitiger, mehr die Herkunft als die Güte betonenden Concessionen ins Leben ruft".

Wo also ein Juror fehlte, konnte natürlich auch in dieser Beziehung nichts erreicht werden, und wir bewundern immerhin, dass Julius Blüthner die silberne Medaille erhielt, welcher wir in diesem Falle getrost eine Stelle neben der goldenen einräumen möchten. Blüthner's Streben ist stets ein eifriges und mit Erfolg gekröntes gewesen.

Geboren am 11. März 1824 zu Falkenhein bei Zeitz, erlernte er nach beendeter Schulzeit das Tischlerhandwerk bei dem in letztgenannter Stadt sehr angesehenen Meister Denk und wurde von diesem wie der eigene Sohn behandelt. Die Vorliebe zum Pianofortebau nahm schon in seinem 16ten Jahre so überhand, dass er emsig darnach trachtete, bei Hölling in Zeitz dieses Fach zu erlernen, womit er denn auch, 171/2 Jahre alt, beginnen konnte.

Nach absolvirter Lehrzeit, in welcher er sich die Liebe und Achtung seines Principals erworben hatte, besuchte er zum Zwecke weiterer Ausbildung verschiedene Fabriken Deutschlands und gründete alsdann im Jahre 1853 seine eigene Fabrik, in welcher er Anfangs nur drei Arbeiter beschäftigte. Bald erregten seine Instrumente die Aufmerksamkeit der Kenner und Pianisten, da sich ihr Ton vortheilhaft vor dem der Instrumente älterer Firmen auszeichnete.

Nachdem Blüthner seine treffliche Repetitionsmechanik im Jahre 1856 eingeführt und auf dieselbe ein Patent genommen hatte, bedienten sich auch die namhaftesten Pianisten seiner Instrumente und als die neudeutsche Schule im Jahre 1859 eine Tonkünstlerversammlung in Leipzig arrangirte, errangen zwei prächtige Flügel aus seiner Fabrik unter den Händen Alfred Jaell's und Moscheles' einen durchschlagenden Erfolg.

Blüthner's Versuche, dem Resonanzboden eine erhöhte Spannung zu geben, die Berippung nach den Principien der besten akustischen Forschungen einzurichten, glückten überraschend, die durch jene einfache, ihm patentirte Repetitionsmechanik erlangte Spielart veranlasste die Künstler, seine Instrumente immer mehr in Concerten zu gebrauchen, und demzufolge wuchs das Interesse des Publicums für die Blüthner'schen Fabrikate so, dass 1863 ein zweites Fabrikgebäude zu dem bereits vorhandenen aufgeführt werden musste, dessen Anlage äusserst zweckmässig ist und vielleicht den Vergleich mit jeder anderen deutschen Fabrik aushält. Am 15. März 1863 lud er die Leipziger Kunstnotabilitäten zur Prüfung eines neuen Instrumentes in seinen Salon ein, welche daselbst einen Flügel mit auf beiden Seiten geschweiften Wänden vorfanden, so dass sich derselbe also mit jeder Seite an eine Zimmerwand stellen liess.

Das übersaitige System, die richtig gewählte Hammeranschlagsstelle, der elastische Resonanzboden, die Dauerhaftigkeit des Mechanismus verschafften diesen Instrumenten bald einen bedeutenden Ruf, welcher durch Erwerbung mehrerer erster Preise auf einheimischen Ausstellungen noch erhöht wurde. In allerletzter Zeit, durch den Besuch der Pariser Weltausstellung angeregt, ist Herrn Blüthner wiederum eine Verbesserung am Resonanzboden geglückt, deren Veröffentlichung uns jedoch nicht zusteht.

Ein nach diesem System erbauter, zur Meininger „neudeutschen" Tonkünstler-Versammlung verwendeter Flügel in symmetrischer Form hat allseitiges Interesse hervorgerufen und wir selbst glauben nach genauer Prüfung versichern zu können, dass die Fabrikate anderer deutscher oder französischer Firmen schwerlich einen Vergleich aushalten würden, wenn man Piano gegen Piano aufstellen wollte.

Gegenwärtig beschäftigt Blüthner's Fabrik 112 Arbeiter; da aber das Etablissement fort und fort mehr Boden im Publicum gewinnt, so dürfte sich bald die Erweiterung desselben als Nothwendigkeit herausstellen, die auch für künftiges Jahr in's Auge gefasst worden ist.

Die Form seiner symmetrischen Concertflügel erkennen wir in beistehender Figur. Den erwähnten symmetrischen Flügel auf der Pariser Weltausstellung zieren noch die Bildnisse mehrerer berühmter Meister, und in französischen wie deutschen Fachjournalen sind demselben die lobendsten Anerkennungen zu Theil geworden." Geschichte des Claviers vom Ursprunge bis zu dem modernsten Formen dieses ..., 1868, p. 200-202

1874

"Julius Blüthner, Pianofortefabrik. Vom Inhaber Jul. Ferd. Blüthner 1853 gegründet. Derselbe beschäftigt mehr als 100 Arbeiter." Handbuch der Leistungsfähigkeit der gesammten Industrie Deutschlands, Œsterreichs Elsass-Lothringens und der Schweiz, 1874, p. 13

1894

Daheim: ein deutsches Familienblatt mit Illustrationen, 1894, p. 408-409

1899

"Blüthner, Julius-Ferdinand, né à Falkenbain près Mersebourg le 11 mars 1824, fondateur et directeur d'une fabrique de pianos à Leipzig (depuis le 7 nov. 1853); reçut en 1856 un brevet pour des perfectionnements dans la construction du piano et utparvenir son etablissement en peu de temps a une grande renommée.

Les machines de la fabrique fonctionnent depuis longtemps à la vapeur ; le 1er janv. 1880, elle occupait 500 ouvriers et 15000 instruments etaient sortis de la maison jusqu'à cette date.

Les instruments de B. obtinrent les plus hautes recompenses dans une quantité d'expositions (Paris 1867, Vienne 1873, Philadelphie 1876, Sydney 1880, Amsterdam 1883, Melbourne 1889).

L'Aliquotflugel (piano, systeme aliquot) est une speciality de la maison ; le son y est notablement renforcé par l'adjonction d'une seconde série de cordes tendues au-dessus de la premiere, résonnant sympatbiquement et accordées à l'octave supérieure.

B. publia en 1872, en collaboration avec le Dr. H. Gretschel, un traité de la construction du piano." Riemann Humbert Dictionnaire de musique 1899, p. 87 (archive.org)

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