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in Germany
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Später war es dann die Stöcker'sche, welche mit einer
eigenthümlichen Mechanik bedeutende Erfolge erzielte. In neuer Zeit
hat die Berliner Pianoforte-Fabrikation einen Weltruf erlangt durch
die: Bechstein begnügte sich mit diesen Erfolgen nicht, unablässig war er bemüht, seine Instrumente zu vervollkommnen, und so lenkte sich bald die Aufmerksamkeit aller großen Virtuosen, wie der hervorragendsten Musiker auf seine Fabrik. Liszt, Dreyscheck, Hans von Bülow, Tausig und Andere spielten mit großer Vorliebe öffentlich auf Bechstein'schen Flügeln; es ist bekannt, daß namentlich die beiden lestern auf ihren Kunstreisen meist einen „Bechstein" mit sich führen. So ist es erklärlich, daß die Fabrik sich rasch vergrößerte und daß, nachdem sie allmälig alle disponiblen Räumlichkeiten in dem Gründungslocal - Behrensstraße 56. in Beschlag genommen hatte, Bechstein sich genöthigt sah, ein eignes, großes Fabrikgebäude zu erwerben. Er baute demgemäß 1861 die Johannisstraße 4 gelegene Fabrik, die zugleich eines der stolzesten Bauwerke Berlins geworden ist. Jest ist die Fabrik wohl die größte und besteingerichtetste in Deutschland. Sie beschäftigt gegenwärtig 200 Arbeiter und fertigt jährlich circa 300 Flügel und über 200 Pianinos, und versendet sie nach allen großen und kleinen Städten Deutschlands, nach Italien und der Schweiz, Frankreich, England, Norwegen, nach Ruhland und Indien. Die Instrumente Bechstein's zeichnen sich nach dem Urtheil der oben erwähnten Autoritäten nicht nur durch die Zuverlässigkeit und Solidität der Mechanik, sondern namentlich durch eine unerschöpfliche Tonfülle aus, Vorzüge die Bechstein unstreitig als den ersten deutschen Pianoforte -Fabrikanten erscheinen lassen. Ganz besondere Anerkennung erwarben sich die Instrumente auf den Ausstellungen in London (1862) und in Paris (1867). Nach dem Antrage von fünf Preisrichtern der Londoner Ausstellung sollten fünf der ausgezeichnetsten Fabriken: zwei englische, zwei französische und die Bechstein'sche aufer aller Concurrenz gesetzt werden. Dieser Vorschlag wurde zwar nicht ausgeführt, aber in dem officiellen Bericht wurden diese fünf Firmen als besonders auszuzeichnende erwähnt." Signale für die musikalische Welt, 28/02/1868, p. 257-258" Signale für die musikalische Welt, 28/02/1868, p. 257-258
„Die Bechstein'schen Instrumente zeichnen sich durch vorzügliche Qualität in allen Zweigen des Clavierbaues aus; Zuverlässigkeit und Solidität der Mechanik, erdenklich möglichste Gleichmässigkeit ebenso der Spielart, wie der Klangregister, eine unerschöpfliche Tonfülle, welche den grössten Reichthum der mannigfaltigsten Abstufungen vom piano bis zum forte in sich schliesst, kurz alle jene Eigenschaften, deren Erkenntniss mir an den Bechstein'schen Instrumenten schon vor einer Reihe von Jahren die seitdem durch nichts entkräftete Ueberzeugung mitgetheilt hat, dass Herr Bechstein der erste deutsche Pianoforte-Fabrikant ist, welcher seine Produkte auf eine Höhe der Vollkommenheit gebracht hat, dass dieselben mit den trefflichsten und berühmtesten des Auslandes eine glückliche Concurrenz bestehen können.» (gez.) Freiherr Hans von Bülow. Hof-Pianist Sr. Majestät des Königs v. Preussen."
«Auf
meinen letzten Reisen in Deutschland benutzte ich zu meinen Concerten die
Instrumente von Herrn Carl Bechstein. Dieselben zeichnen sich durch grossen,
gesangreichen Ton, elastische Spielart nicht allein vor andern Instrumenten
aus, sondern haben auch eine ModulationsFähigkeit, unterstützt durch eine
ausgezeichnete, leicht zu behandelnde Mechanik, welche nur diesen
Instrumenten eigen ist. Es macht mir ein Vergnügen, Jedem dieselben als
vortrefflich in jeder Hinsicht empfehlen zu können.» Gegenwärtig soll Herr Bechstein in seiner neuen Fabrik gegen 200 Arbeiter beschäftigen, welche in zweckentsprechender Weise nach ihren Kräften vertheilt sind." Geschichte des Claviers vom Ursprunge bis zu dem modernsten Formen dieses ..., 1868, p. 203-205
Im Jahre 1860 wurde die erste Fabrik auf den aneinander belegenen Grundstücken in der Johannisstrafse 6 und Ziegelstrasse 21 erbaut; bald hiernach wurden die nachbarlichen Grundstücke Johannisstrafse 5 u. 7 erworben und auf dem freien Hinterland Erweiterungen der bestehenden Fabriken, soweit eine Bebauung zulässig war, vorgenommen. Diese jetzt noch bestehenden Fabrikanlagen, in denen nur mit Handbetrieb gearbeitet wird, bedecken einschl. der Comptoir-, Ausstellungsräume, Stallungen und Remisen einen Flächenraum von 2040 qm und sind fünf Stockwerke hoch. Aufser den massiven Treppen dient dem Verkehr ein elektrischer Personen- und Lastenaufzug von 500 kg Tragkraft mit einer Fahrbühne von 5 m Länge und 1,50 m Breite. Weitere Vergröfserungen der Fabrikanlage wurden nach dem Jahre 1880 durch das stetige Wachsen des Geschäfts erforderlich.
Abb. 725. Schnitt a-b. Es wurden zu diesem Zweck zunächst die Grundstücke Wiener Strafse 25 und Grünauer Strasse 38/39 erworben und auf dem Hinterland das in Abb. 724 mit A bezeichnete Trockenhaus (Abb. 725) und das vier Stockwerk hohe Fabrikgebäude C (nebst anliegendem Kesselhaus) erbaut, in welchem im untersten Stockwerk die umfangreichen durch Dampfkraft betriebenen Holzbearbeitungsmaschinen untergebracht sind (Abb. 727).
Abb. 726. Schnitt c-d. Wenige Jahre später wurde das Gebäude B errichtet, worin im Kellergeschofs eine eigene Schleiferei und Lackirerei für die beim Bau der Instrumente erforderlichen Eisengufsplatten nebst den grofsen Trockenkammern eingerichtet sind (Abb. 726). Nach dem weiteren Erwerb des angrenzenden Grundstücks Reichenberger Strafse 124 wurde die dritte Fabrik D mit selbständigem Kesselhaus und Maschinenbetrieb erbaut. Die Verbindung dieser drei getrennten Fabrikgebäude wird über die grofsen dazwischen liegenden Höfe, welche zu Holzlagerplätzen dienen, durch schmalspurige Eisenbahnen hergestellt.
Abb. 727. Schnitt e-f. Eine fernere Erweiterung der gesamten Fabrikanlage wird wird zur Zeit auf dem grofsen Hinterland des neu erworbenen angrenzenden Grundstücks Reichenberger Strafse 122, nach dem Entwurf des Architekten Carl Schäfer, ausgeführt. Dieses neue Fabrikgebäude EF, welches einschl. des Kellers sechs Stockwerke hoch wird, ist durch seine Lage mit den bereits bestehenden drei Fabriken in Verbindung gebracht und gestattet im Betriebe einen bequemen Verkehr durch die einzelnen Stockwerke. Sämtliche Gebäude sind massiv im Ziegelrohbau, theils in einfachen, theils in entwickelteren Formen ausgeführt und haben Holzcementbedachung. Die Deckenconstructionen bestehen aus Gewölben zwischen schmiedeeisernen Trägern, welche in der Mitte auf ebensolchen Unterzügen ruhen und durch gufseiserne Säulen unterstützt werden. Die Fufsböden bestehen in Fabrik C aus gespundeten, rauhen Dielen, in den übrigen Fabriken aus Cementbeton.
Die Treppen sind von Granit. Für die Beförderung von Lasten sind
vier Dampf-Fahrstühle in verschiedenen Abmessungen vorhanden, welche vom
Erdgeschofs bis zum Dachboden gehen. Die Erwärmung der sämtlichen Räume, in
welchen ohne Rücksicht auf die Jahreszeit eine Temperatur von + 20° C.
vorhanden sein mufs, wird durch eine Dampfheizung mittels schmiedeeiserner
Rohre und gufseiserner Rippenrohrregister bewerkstelligt, mit der auch die
in der Mitte der Räume stehenden schmiedeeisernen Heizplatten zum Trocknen
der Hölzer, sowie die Leimwärmkästen in Verbindung stehen. Eine Abbildung steht uns leider nicht zur Verfügung. Die Maschine zerfällt in eine Reihe kleiner Bohrmaschinen, deren Bohrer auf elektrischem Wege 2500-3000 Umdrehungen in der Minute erhalten. Die aufserordentlich sinnreiche Lagerung der Welle, an der die Maschinen angebracht sind, gestattet die völlig freie Bewegung der Bohrerspitzen nach Führung des Tasters, sodass in Holz wie in Stein Nachbildungen von gröfster Genauigkeit erzielt werden." Berlin und seine Bauten, Volume 1, 1896, p. 608-609
Der Saal Bechstein. Von Emil Breslaur.
Herr Konzertdirektor Hermann Wolf ist der Besitzer des Saales, er hat ihn erbaut, um einen nur Konzertzwecken dienenden Saal für Aufführungen ohne Chor und Orchester zu mässigem Preise den Konzertgebern zur Verfügung stellen zu können. Der Saal liegt in der Linkstrasse in der Nähe des Potsdamer Platzes, ist sehr vornehm ausgestattet, fasst 520 Personen und hat eine vorzügliche Akustik. Am vierten, fünften und sechsten Oktober sah man in dem Saale neben einer Anzahl von Musikfreunden Alles vereinigt, was Berlin an künstlerischen Berühmtheiten in sich birgt, um den Kunstgenüssen zu lauschen, durch die der Saal seine Weihe erhielt. [...][...]" Der Klavierlehrer: musikpädagogische Zeitschrift für alle Gebiete ..., Volume 15, 15/10/1892, p. 265
C. Bechstein in Berlin.
So trat eine neue Epoche in der Ausbildung der Tasteninstrumente ein, als mit der Schöpfung des Kontrapunktes die Tonkunst allmählich zu jener geistigen Vertiefung gelangte, welche besonders durch die unsterblichen Werke eines Händel, eines Sebastian Bach charakterisirt wird. Je mehr die Musik mit Mozart und Beethoven zur reichsten Kunst sich erhob, je mehr daneben die wissenschaftliche Erkenntniss von den Gesetzen des Schalles im Instrumentenbau erfolgreiche Anwendung fand, um so gröfser gestalteten sich die Fortschritte in der gesammten Konstruktion des Pianofortes. Wie die Musik durch deutsche Tonschöpfer ihre eigentliche Vergeistigung empfing, so wurde auch der deutsche Pianofortebau bahnbrechend für die ganze Kulturwelt. Denn deutsche Meister waren es, welche aus dem Klavier, das noch zur Zeit Beethovens einen kleinen spitzen Ton und nur eine begrenzte Klangkraft besafs, allmählich das heutige Pianoforte geschaffen haben, das durch die Macht seiner Tonfülle ein Orchester zu ersetzen und ebenso die zartesten Klangfarben wiederzugeben vermag.
Ueberall auf der Erde, wo die Musik als „Muttersprache des empfindenden
Menschen" gilt, sind deshalb auch diese Werke des heimischen Kunstgewerbes
begehrt und eingeführt. Ueberall, wo man der hohen Bedeutung des Klaviers
das richtige Verständniss entgegenträgt, weiss man es, dass in unserer
deutschen Reichshauptstadt einer der ersten Pioniere in der Entwickelung des
Pianofortebaues der Jetztzeit lebt, dass Berlin die Heimstätte der
weltberühmten Fabrik C. Bechstein ist. Nach mehrjähriger Thätigkeit in dieser Stellung machte er zur Erweiterung seiner Kenntnisse Studienreisen nach London und Paris, um alsdann nach Berlin zurückzukehren und im Jahre 1854 ein eigenes Unternehmen zu begründen. Seinen bescheidenen Mitteln entsprechend, begann er seine so erspriefsliche Wirksamkeit, von wenigen Arbeitern unterstützt, in beschränkten Werkräumen, Behrenstr. 56. Doch es währte nicht lange, da wurde man in den musikalischen Kreisen der Residenz auf die meisterlichen Schöpfungen Bechstein's, die sich schon damals durch ihren edlen vollen und gesangreichen Ton auszeichneten, mehr und mehr aufmerksam. Bülow und Liszt traten dem jungen Meister näher und veranlafsten ihn, den Bau von Konzertflügeln zu beginnen. Der junge Unternehmer vermochte mit seinem begrenzten Betriebe den wachsenden Aufträgen bald nicht mehr nachzukommen und beschloss deshalb, als räumliche Erweiterungen in dem bisherigen Heim sich nicht mehr ermöglichen liessen, einen neuen gröfseren Fabrikbereich zu errichten. So siedelte er denn im Jahre 1860 nach einem jener Grundstücke in der Johannisstrafse über, die nunmehr mit ihren ausgedehnten, bis zur Ziegelstrafse sich erstreckenden Fabrikanlagen, mit ihren stattlichen Magazinen, ihren ansprechenden Wohngebäuden die Zentrale des Bechstein'schen Weltgeschäftes bilden.
Nun vermochte er seine Kräfte zur freieren Entfaltung zu bringen, seine
weitgehenden Ideen zu verwirklichen. Nun begann er, angeregt durch die
Anerkennung der ersten Tonsetzer und Klavierkünstler, dem Bau grofser
Konzertflügel eine erhöhte Wirksamkeit zu widmen. Diese Schöpfungen trugen
binnen Kurzem den Namen „Bechstein" durch die ganze Kulturwelt. Seitdem ist
dieser Name mit der neuesten Geschichte der Musik innig verwachsen, gilt er
als das Merkmal einer neuen Epoche in der Entwickelung des Pianofortebaues. Sechs Jahre später erhielt die neue Anlage durch den Ankauf eines benachbarten Terrains, auf welchem der Bau eines zweiten stattlichen Fabrikgebäudes vollführt wurde, einen wesentlichen Zuwachs. Und 1887 erstand auf diesem mächtigen Besitzthum, das nunmehr mit seinen weiten Holzplätzen und Hofräumen sowie mit seinem Zubehör von Wohnhäusern ein Areal von über 4 Morgen umfafst, ein drittes der Arbeit gewidmetes mehrstöckiges Bauwerk.
Doch heute zeigt es sich bereits, dass auch diese Arbeitsstätten dem
fortgesetzt wachsenden Geschäftsverkehr nicht mehr zu entsprechen vermögen.
Daher hat die Firma auch beschlossen, auf diesem Terrain noch einen vierten
Fabrikbau aufführen zu lassen. Diese bedeutsamen Erfolge konnte Carl Bechstein, der noch heute in Gemeinschaft mit seinen Söhnen, den Herren Edwin, Carl und Hans Bechstein, die leitende Kraft des Unternehmens bildet, nur dadurch erreichen, dass er es stets in der vollkommensten Weise verstand, seine hohen künstlerischen Ziele mit den Wegen der fortschreitenden Technik zu vereinigen.
Sein Streben war eben frühzeitig dahin gerichtet, mit peinlicher Sorgfalt
das wichtigste Rohprodukt im Pianofortebau, das Holz auszuwählen und zu
behandeln, ferner eine richtige Arbeitstheilung und die sorgsamste
Ueberwachung aller Einzelheiten in der Fabrikation durchzuführen und so in
Verbindung mit seiner eigenartigen durchgeistigten Konstruktion ein
vollkommenes Ganzes erzielen zu können. Er wählte zur Erreichung dieses
Zieles in allen Zweigen seines Schaffens die besten Arbeitskräfte aus und
setzte sowohl für die Hand- als für die Maschinenarbeit bestimmte Grenzen
fest. Da erblicken wir eine unabsehbare Menge regelrecht gebildeter Stapel von ausgesuchten mannigfachen Holzarten heimischer und ausländischer Waldungen. Und alle diese bereits zu Brettern geschnittenen Kiefern-, Tannen-, Buchen-, Eichen- und Ahornstämme, ferner die zumeist dem überseeischen Westen entstammenden Pappel-, Nussbaum-, Mahagoni- und Jacaranda-Hölzer bekunden dem Beschauer, dass für die Werke dieses Hauses nur die allerbesten Stämme zu verwerthen sind. Doch ehe diese Hölzer ihrer Bestimmung dienen können, müssen sie erst die Reife absoluter Beständigkeit und Bildungsfähigkeit erlangt haben und zu diesem Behufe oft viele Jahre hindurch hier im Freien und in Schuppen lagern. Dann unterliegen sie einem längeren Trockenprozess in jenem grossen, an das neue Fabrikgebäude grenzenden Trockenhause, in welchem eine Heizungsanlage die warme Luft erzeugt und verschiedene Schlote und äufsere Kanalanlagen für eine stete Zirkulation der Luft Sorge tragen. In den trefflich eingerichteten Werkstätten des Parterres des grofsen, rechts vom Haupteingange in der Grünauerstrafse gelegenen Gebäudes, die, wie alle Arbeitsräume dieses Fabrikbereiches, durch ihre freundliche Helligkeit sowie durch eine mustergiltige Ventilation sich auszeichnen und mit Dampfheizung versehen sind, betrachten wir sodann, wie die so vorbereiteten Holzarten zur Bearbeitung kommen. Vermittelst einer Menge Spezialmaschinen neuester Konstruktion, die sämmtlich mit den vollkommensten Schutzvorrichtungen ausgerüstet sind, erhält das Holz die mannigfachsten Gestaltungen.
Ein Theil dieser maschinellen Werke ist mit Exhaustoren behufs Entfernung
der Späne eingerichtet, welch letztere durch einen gröfseren Exhaustor einem
Kanal zugeführt werden, um von hier aus zur Feuerung in die beiden grossen
Dampfkessel zu gelangen, welche in einem angrenzenden Seitenbau Aufstellung
gefunden haben. An die grosse Werkhalle der Holzbearbeitung schliefst sich
der Maschinenraum für diese Abtheilung an, der mit einem Dampfmotor von 60
Pferdestärken ausgerüstet ist. Alle diese Objekte sowie die in den Arbeitsstätten der Holzbearbeitung erzeugten Theile kommen in das im ersten Stock gelegene MaterialenMagazin, um von hier aus nach erfolgter Prüfung den einzelnen Werkstätten zur weiteren Bearbeitung übergeben zu werden. In den Arbeitsräumen des ersten, zweiten und dritten Stockwerks schauen wir, wie die gröfseren Theile erzeugt, namentlich wie die Wände der Flügel, nachdem sie gebogen, aus 12 bis 20 Holzdickten in sorgsamster Weise von erprobten Arbeitern zusammengesetzt und mit Fournieren bekleidet werden.
Wir sehen hier ferner, dass alle Holztheile, ehe sie zur weiteren Gestaltung
gelangen, erst noch einer längeren Trockenprozedur auf Gestellen
unterliegen, die sich unter der Decke der verschiedenen Räume befinden.
Durch Fahrstühle, die sich in allen Bauwerken befinden, werden die einzelnen
halbfertigen Gebilde von Etage zu Etage befördert. In Arbeitssälen des Souterrains sehen wir, wie die Resonanzböden und Deckel der Instrumente von kunstgeübten Händen verleimt und durch eine Riesenhobelmaschine eigener Konstruktion bearbeitet werden. Hier betrachten wir, wie die Fourniere zugeschnitten, dort wie dieselben mit einander verbunden werden.
Von der Sorgfalt der Fabrik in der Auswahl und Behandlung der Fourniere
erhalten wir in dem Lagermagazin für dieselben eine vollkommene Anschauung.
Auch hieraus ist ersichtlich, von welchen weitgehenden Bestrebungen die
Firma beseelt ist, zu ihren Schöpfungen nur die trefflichsten Materialien zu
verwenden. Dies erklärt auch die wohl unübertroffene Haltbarkeit der
Bechstein'schen Instrumente, ihre absolute Widerstandsfähigkeit gegenüber
den Einflüssen der verschiedensten klimatischen Verhältnisse.
Ueberall erkennen wir auch in diesen Arbeitsstätten, wie vielverzweigt das
Schaffen im Pianofortebau ist, welche Bedeutung selbst das unscheinbarste
Theilgebilde für den Werth des Ganzen hat. Alle in diesem Fabrikbereiche
hergestellten Schöpfungen, die sich uns als vollständige Flügel- und
Pianinokörper darstellen, gelangen durch die zweckmässig eingerichteten
Fuhrwerke der Firma in die umfangreichen Werkstätten der Stammfabrik in der
Johannisstrafse.
Hier und dort betrachten wir dann, wie die Flügel und Pianinos durch das
Einsetzen der sinnreich konstruirten Mechanik und der Klaviatur den
Organismus der Sprache erhalten, wie in diesen und jenen Räumen das
wechselreiche Werk der Politur vollzogen wird. Ist dieser langwierige
Prozess beendet, dann beginnt die wichtige Arbeit der Klangprüfung und des
Justirens und Egalisirens. Erst wenn die letzte Prüfung die Vollkommenheit
in allen Klangfarben und in der ganzen Stimmung ergeben hat, wird das
fertige Instrument den Magazinen zugeführt. Diese Werke mit den glänzenden Beschlägen entsprechen ebenso, wie die in dem dunkel gehaltenen Mahagoni gebauten, dem englischen Geschmack. Hier erblicken wir Pianinos in dunklem Mahagoniholz, das in ansprechender Weise von Buxbaumadern durchzogen wird, und dort prächtige Flügel, die auf 6 Füfsen ruhen und mit kunstvollen Arbeiten der Holzbildnerei geziert sind. In überaus sachkundiger Weise versteht es die Firma, die mannigfachen Holzarten, dem Klima des Ortes entsprechend, wo das Instrument sein Heim finden soll, auszuwählen, und auch die Art der Gestaltung und Ausschmückung der sonstigen Zimmereinrichtung vollständig anzupassen.
Dieses Pianino mit dem eigenartigen Schreibepult ist für den Gebrauch des
Tondichters und jenes kleine Instrument mit einem ebenfalls breiten und
festen Pult für den Kapellmeister eines Bühnenorchesters ausersehen. Auf dem
obersten Stockwerk eines der Hauptgebäude hat die Fabrik ein
photographisches Atelier errichtet, um die hervorragendsten Schöpfungen
ihrer Werkstätten zur bildnerischen Reproduktion bringen zu können.
BECHSTEIN
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