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EHRBAR
à Vienne (°1857)

1862

LONDRES - "704. Ehrbar Friedrich, k. k. Hof-Fortepianoverfertiger. Wien, Wieden 753. Fortepiano." Österreich auf der internationalen Ausstellung 1862, p. 63

LONDRES - "Die Claviere des k. k. Hofpianoforte-Verfertigers Friedrich Ehrbar auf der Londoner Welt-Industrie-Ausstellung.

Wohl in keinem Zweige der Industrie sind in den letzten Dezennien in Desterreich so überraschende Fort schritte gemacht worden, als in der Klavierfabrikation, in der die Wiener nicht nur die Pariser, Londoner und Amerikaner eingeholt, sondern, kurz herausgesagt, überflügelt haben.

Wie an äußerer Ausstattung, Schönheit und Eleganz der Form, so auch an leicht ansprechender Mechanik, Fülle und Kraft des Tones und Reinheit der Stimmung überragen die Wiener Klaviere die ausländischen Produkte, die trotz ihrer geringeren Vorzüge fast doppelt oder dreifach so hoch im Preise stehen als die Wiener.

Wir haben seit 12 Jahren die Entwicklung der Industrie stets im Auge gehabt, und auf den Ausstellungen in Leipzig, München, Paris und London Gelegenheit gehabt, die Fortschritte der Welt-Industrie zu prüfen.

Aber vielleicht in keinem Zweige und in keinem Lande sind die Fortschritte so überraschend, als in der Klavierfabrikation Desterreichs, der noch bis vor wenig Jahren die Ausfuhr über die Grenzen Deutschlands fremd war.

Nur dem energischen Auftreten der Ersten ihres Faches, der Herren I. Bösendorfer, Ed. Seuffert und J. B. Streicher, ist es zu danken, daß das Wiener Klavier in allen Theilen der Welt ertönt, und den Ruhm seiner Erzeuger verbreitet.

Unter diesen drei obgenannten Erzeugern verdient Ed. Seuffert besondere Erwähnung, da er ohne bedeutende Betriebsmittel sich in einem Zeitraume von nicht 8 Jahren auf eine so bedeutende Stufe emporschwang.

Die Firma Seuffert besteht seit 1673, in welchem Jahre bereits Joh. Phil. Seuffert großh. würzburgischer Hoforgelbauer war. Sein Sohn Franz Philipp, sowie sein Enkel Johann Philipp folgten ihm in dieser Stellung.

Der jüngere Enkel Martin Seuffert errichtete zu Anfang dieses Jahrhunderts eine Fabrik in Wieu, die er zuerst mit Wachtl und Bleyel, später mit I. Seidler betrieb, die aber keinen rechten Aufschwung nehmen konnte, bis endlich im Jahre 1842 sein Sohn Eduard Seuffert von seinen en mehre mehrjährigen Reisen in Deutschland, Belgien, Frankreich und England zurückkehrte und die Fabrik durch seine Kenntnisse und Thätigkeit ungewöhnlich rasch hob.

Im Jahre 1846 übernahm Eduard Seuffert, dessen Klaviere schon bei der im Jahre 1845 in Wien stattgehabten Industrie-Ausstellung mit der großen goldenen ersten Preis-Medaille ausgezeichnet wurden, die alleinige Leitung des ausgedehnten Etablissements, dem er auch bis zu seinem im Jahre 1855 erfolgten Tode vorstand.

Im Jahre 1854 erhielt Seuffert für seine vorzüglichen Flügel in der Münchner Industrie-Ausstellung die große Preismedaille.

Der Ruf seiner Fabrik, der Friedrich Ehrbar seit dem Jahre 1850 als Geschäftsführer vorstand, verbreitete sich immer mehr, leider verhinderte sein plötzlich erfolg= ter Tod die Ausführung seiner weitragenden Pläne.

Nach Eduard Seuffert's Tode wurde das Geschäft von dessen Wittwe ununterbrochen fortgeführt und Friedrich Ehrbar zum Leiter der Fabrik ernannt. Durch die im Jahre 1857 erfolgte Vermählung Ehrbar's mit der Witwe Seuffert jener Chef des Etablissements, das er mit allen Aktiven und Passsiven übernahm.

Seinen reichen Schatz von Kenntnissen, seinem rastlosen Eifer und ermüdeten Streben gelang es, bald den ersten Firmen Europa's beigezählt und mit dem Titel eines k. k. Hof-Pianoforte-Verfertigers ausgezeichnet zu werden.

Die Erzeugnisse der Ehrbar'schen Etablissement gehen buchstäblich in alle Weltgegenden, es werden in seiner Fabrik, die 80 bis 100 Menschen beschäftigt, jährlich ca. 200 bis 250 Flügel und Piano verfertigt, wozu das beste Material verwendet wird.

Die Holzvorräthe sind für mehrere Jahre vorbereitet, die Eintheilung der Arbeit in Partien, so wie die Kontrolle über die Bestandtheile und Miterialien ist eine möge lichst geordnete und nachahmungswerthe.

Die Ehrbar'schen Konzert- und Salonflügel haben keine Konkurrenz zu scheuen, sie lassen weder an Eleganz der äußeren, noch inneren Ausstattung, Schönheit und Fülle des Tones, angenehme Spielart etwas zu wünschen übrig.

Seine Pianino stehen jedoch in ihrer Art „ohne Niralität“ da. Einen Beweis dafür liefert das eben jetzt in der Londoner-Ausstellung befindliche Prachtpianino, dessen Abbildung nebenbei ersichtlich ist. Dasselbe ist aus matt geschliffenem Palisander-Holz im Rennaissancestyl verfertigt und erregt durch eine neue Konstruktion des Resonanzbodens, durch die bisher unerreichte Klarheit, Fülle, Kraft und Schönheit des Tones die allgemeine Bewunderung. Herrn Ehrbar wurde die Genugthuung, die Vollkommenheit seiner Pianinos von der Londoner-Jury, trotz so vielfacher Rivalität, öffentlich anerkannt u. gekrönt zu sehen.

Er dars stolz sein, in diesem Industriezweig Oesterreichs, den großartigen Etablissements Frankreichs, Englands und Amerikas gegenüber, einen so glänzenden Sieg errungen zu haben und seine Pianino mit dem Prädikat „unrivalled" beehrt zu sehen.

Nicht minderes Aufsehen erregte der von Ehrbar ausgestellte und hier abgebildete „Konzertflügel" aus Palisanderholz. Die Londoner,Times“, „Daily News" und „Musical world", dann die deutschen Journale: „Kölner Zeitung", „National - Zeitung" „Wanderer,",, Presse," „Wiener Zeitung", „Blätter für Musik", „Zwischenakt", „Illustrirte Zeitung" 2c. haben ebenfalls sich einstimmig über die Vorziige der Ehrbarschen Klaviere ausgesprochen.

Schließlich wollen wir noch der von Herrn Fr. Ehrbar erfundenen neuen Flügelmechanik gedenken, die mit einer besonders leichten und angenehmen Spielart, Präzision des Anschlages, der Repetirung und Einfachheit der Konstruktion verbindet, gegen welche die berühmte Erard'sche weit in den Hintergrund tritt.

Beide ausgestellten Klaviere sind in London angekauft u. Herr Ehrbar mit zahlreichen Bestellungen beehrt worden, die er ebenso schnell als vorzüglich ausführen kann als seine Depots und Magazine bedeutende Vorräthe aller Gattungen edlen Holzes enthalten, die bereits seit Jahren in Wien aufgestapelt sind, und einen Werth von mehr als 50,000 fl. repräsentiren. Ebenso reichlich versorgt und ausgestattet sind die Leder-, Filz- u. Saitendepots." Ungarische Wochenpost, 28/09/1862, p. 620-621

LONDRES - "Friedrich Ehrbar (704) von Wien: ein 7oktaviges Pianino in reich verziertem Kasten und Konzertflügel in Palissanderholz. Ehrbar ist der Nachfolger der Firma Martin Seuffert, welche in Wien 1800 gegründet, 1846 an Eduard Seuffert und 1857 an Fr. Ehrbar überging.

Diese Fabrik hat sich sehr rasch zu einer der bedeutendsten in Wien erhoben, und ist dies leicht zu begreifen, wenn man ihre vorzüglichen Leistungen sieht und hört. Wir glauben behaupten zu dürfen, daß das Ehrbar'sche aufrecht stehende Pianino zu den schönsten der Ausstellung gehörte. Der Ton desselben hat etwas eigenthümlich Singendes, Sympathisches, beinahe Kirchliches, dazu der Baß eine Fülle und Kraft, wie wir noch nie an einem Instrumente dieser Gattung vernommen haben.

Die Spielart ist angenehm, leicht und einladend; der angebrachte Quarré-Resonanzboden höchst zweckmäßig, da er dem Tone mehr Kraft und Deutlichkeit verschafft, und das Acußere im Renaissance-Style mit viel Geschmack und ganz entsprechend dem Ton-Charakter ausgeführt. Der Flügel ist vielleicht etwas spik im Ton, wirft denselben aber vortrefflich aus, hat auch Frische und ist in Beziehung auf Spielart höchst angenehm. Die Eisenarbeit an dem Ehrbar'schen Flügel ist die schönste unter den deutschen Klavieren." Amtlicher Bericht über die Industrie- und Kunst-Ausstellung zu ..., 1863, p. 84

LONDRES - "Die österreichische Clavierfabrikation war durch 8 Aussteller in erfreulicher Weise vertreten. Obenan standen die Leistungen der bereits mit mehreren Medaillen geschmückten Hofclaviermacher J. B. Streicher und Friedrich Ehrbar.  [...]

Das Seuffert'sche Geschäft wurde zu Anfang dieses Jahrhunderts in Wien etablirt und im Reiche ist dessen musikalischer Stammbaum bekanntlich noch viel älter.), welche in London den guten Ruf der Wiener Clavier-Fabrikation rechtfertigte.

Das Ehrbar'sche Pianino (im Fach der Pianinos ist diese Firma bekanntlich die erste Spezialität in Desterreich) wetteiferte an Fülle und Kraft des Tons so siegreich mit den allerbesten und theuersten der Ausstellung, daß es schwierig wäre, ein vorzüglicheres namhaft zu machen. Das ausgestellte Instrument bewährte die Trefflichkeit von Ehrbar's neuer Resonanzboden-Construction (für Pianinos), welche hauptsächlich darin besteht, daß der ganze hintere Kaum des Instrumentes zum Boden verwendet und dieser im Quadrat gebaut ist. Bisher waren die verhältnißmäßig zu kurzen Baßsaiten durch den Resonanzboden zu wenig unterstützt.

Um die Schwingungen desselben zu verstärken, mußte der, bisher von dem sogen. „Anhängstod" eingenommene Kaum gewonnen werden. Ehrbar ersetzte deßhalb den Anhängstock durch eine eiserne Platte, in welcher die Anhängstifte festsizen und welche Platte vom Resonanzboden gänzlich getrennt, denselben frei vibriren läßt.

Der ausgestellte Ehrbar'sche Flügel (engl. Mechanik) zeichnete sich durch Tonfülle, edlen Gesang und treffliche, dem Spieler entgegenkommende Mechanik aus. Zwei von Ludwig Bösendorfer ausgestellte Pianos (mit Wiener Mechanismus) standen zwar nicht auf der Höhe der berühmten Leistungen seines verstorbenen Vaters Ignaz Bösendorfer, noch jener seiner Nachbarn Streicher und Ehrbar, dennoch fand ihr brillanter Ton und ihre solide Arbeit verdiente Anerkennung. [...] Von Wiener Pianofortemachern erhielten Streicher, Bösendorfer, Ehrbar und Blümel die Medaille, Cramer und Schneider die ehrenvolle Erwähnung." Deutsche Musik-Zeitung, 15/09/1862, p. 295

1865

LONDRES - "Friedrich Ehrbar (704) von Wien : ein 7ottaviges Pianino in reich verziertem Kasten und Konzertflügel in Palissanderholz. Ehrbar ist der Nachfolger der Firma Martin Seuffert, welche in Wien 1800 gegründet, 1846 an Eduard Seuffert und 1857 an Fr. Ehrbar überging.

Diese Fabrik hat sich sehr rasch zu einer der bedeutendsten in Wien erhoben, und ist dies leicht zu begreifen, wenn man ihre vorzüglichen Leistungen sieht und hört. Wir glauben behaupten zu dürfen, daß das Ehrbar'sche aufrecht stehende Pianino zu den schönsten der Ausstellung gehörte.

Der Ton desselben hat etwas eigenthümlich Singendes, Sympathisches, beinahe Kirchliches, dazu der Baß eine Fülle und Kraft, wie wir noch nie an einem Instrumente dieser Gattung vernommen haben.

Die Spielart ist angenehm, leicht und einladend, der angebrachte Quarré-Resonanzboden höchst zweckmäßig, da er dem Tone mehr Kraft und Deutlichkeit verschafft, und das Aeußere im Renaissance-Style mit viel Geschmack und ganz entsprechend dem Ton-Charakter ausgeführt.

Der Flügel ist vielleicht etwas spitz im Ton, wirft denselben aber vortrefflich aus, hat auch Frische und ist in Bezichung auf Spielart höchst angenehm. Die Eisenarbeit an dem Ehrbar'schen Flügel ist die schönste unter den deutschen Klavieren." Amtlicher Bericht über die Industrie- und Kunst-Ausstellung zu ..., Volume 1, 1865, p. 84

1867

PARIS - "14. Ehrbar Friedrich, k. k. Hof-Pianoforte-verfertiger, (Wien). – Flügel-Fortepiano; Pianino." Internationale Ausstellung zu Paris 1867, p. 41

PARIS - "Pianoforti a coda. - [...] La ben conosciuta firma di Ehrbar, anche di Vienna, ebbe per il suo eccellente pianoforte a coda, anche col meccanismo tedesco, la medaglia d'argento." Il Pianoforte, guida pratica per costruttori, accordatori, etc., Sievers, 1868, p. 219

PARIS - "In gleicher Weise gehört der strebsame Hof-Pianoforte-Fabrikant Friedr. Ehrbar (neue Wieden, Preßgasse 28) in die erste Reihe der Clavierfabrikanten Wien's. Der Vorgänger Ehrbar's war der überaus thätige Ed. Seuffert (1818–1855).

Folgende Auszeichnungen wurden diesem Hause zu Theil : goldene Medaille, Wien 1845; München 1854; Preismedaille der Londoner Industrie-Ausstellung 1862; silberne Medaille, Paris 1867. Preiscourant der Firma Ehrbar:

Flügel-Fortepiano (deutsche Mechanik): in Nuß- oder Kirschholz, 500 fl. ö. W.; in Mahagoni oder Palisander, 560 fl.; eiserne Anhäng platte 40 fl. Dieselbe Gattung in groß Format in Nußholz, 600 fl.; in Pallissander, 660 fl. Großes Format (englische Mechanik und Anhängplatte) in Nußholz, 900 fl., in Mahagoni oder Palisander 1000 fl. Pianino's: in Nuß- oder Kirschholz 450 fl.; in Mahagoni oder Palisander 500 fl.; Transpositions-Mechanik 25 fl." Signale für die musikalische Welt, 30/08/1869, p. 706

PARIS - "Die Decorirten der Pariser Ausstellung. Der k. k. Hof-Clavierfabrikant Friedrich Ehrbar. Die Clavierfabrikation hatte sich in Oesterreich und speciell in Wien einer zeitlichen Entwickelung zu erfreuen; dieser Zweig der Kunstindustrie erhob sich rasch zur Höhe der Concurrenzfähigkeit mit den vorgeschrittensten Ländern.

Es liegt hierin der Beweis, dass der Kunstsinn im Lande die Vervollkommnung dieses verbreitetsten der Musikinstrumente lebhaft aneiferte und dass sich gleichzeitig die intelligenten Kräfte vorfanden, um den Bedürfnissen zu entsprechen und den Anforderungen geläuterten Kunstgeschmackes zu genügen.

Der Clavierbau hat in Oesterreich so rasche Fortschritte gemacht, für Eleganz der Ausstattung und Verbesserung der Mechanik ist so viel geschehen, dass der Ruf dieser Erzeugnisse bald weit über die Grenzen der Heimat hinausgriff und überall, wo der Besitz eines vollkommen construirten Claviers einen Reiz besass, haben österreischische Instrumente Eingang gefunden.

Die eigenthümlichen Vorzüge dieser Instrumente bahnten ihnen den Weg nicht nur nach dem Oriente, sondern Deutschland, das in der Clavierfabrikation so leistungsfähige Frankreich, wie das nicht minder industriegrosse England bezogen österreichische Claviere und nicht wenige finden ihren Weg nach überseeischen Ländern.

Zur Zahl Derjenigen, die für den Aufschwung dieses Kunst-Industriezweiges in erster Linie thätig waren, zählt unbestritten Herr Friedrich Ehrbar, welcher im Jahre 1857 in den Besitz der bereits bestandenen Fabrik des verstorbenen Herrn Ed. Seuffert trat, in welcher Ehrbar seit 1850 als Geschäftsführer wirkte.

Dieses Etablissement hatte bereits einen hohen Grad von Leistungsfähigkeit bewährt und wurde schon im Jahre 1845 bei der in Wien stattgefundenen Industrie-Ausstellung mit der grossen goldenen Medaille ausgezeichnet, so wie auch im Jahre 1854 den in München ausgestellten Clavieren dieses Etablissements die grosse Medaille zuerkannt wurde.

Ehrbar hat aber mit rastlosem Eifer die Erreichung höherer Ziele angestrebt und es ist auch dem kenntnissreichen, tüchtigen Fachmanne gelungen, fortschreitend die Clavierfabrikation einer hohen Stufe der Vollkommenheit entgegen zu führen.

Mannigfache Verbesserungen in der Technik des Baues und der Soliditāt der Construction wurden erreicht, während die Erzielung bedeutender Kraftfülle und Reinheit des Tones, besonders aber die leichte und gefällige Mechanik den Concert- und Salonflügeln Ehrbar's eine grosse Beliebtheit bei der Kunstwelt verschaffte.

In der That hat dessen neu erfundene Flügelmechanik diesen Instrumenten eine Leichtigkeit und Anmuth des Spieles, eine Präcision des Anschlages verliehen, die eine verdiente Anerkennung finden.

Als Specialität wird von diesem strebsamen Fabrikanten das Pianino gepflegt, dem derselbe eine grosse Bedeutung zu verschaffen wusste. Eine neuartige Construction verlieh diesem elegischen Instrumente, das in den Salons eine immer steigende Beliebtheit gewinnt, eine Kraft, Fülle, Glanz und Feinheit des Tones, der überraschend wirkt.

Das Pianino Ehrbar's steht unerreicht da und wurde auch deshalb an der Londoner Welt-Ausstellung von 1862 ausgezeichnet.

Was die äussere Ausstattung der Erzeugnisse dieser Fabrik betrifft, so bekundet dieselbe einen gediegenen Geschmack und das Bestreben, den inneren werthvollen Gehalt der Instrumente durch Eleganz und Reichthum zu heben.

Die Ehrbar'schen Claviere sind im strengsten Sinne des Wortes Zierden eines jeden Salons. Die sorgfältige Auswahl und Güte des verwendeten Materials und die darauf verwendete fleissige Arbeit verleihen ihnen nebenbei eine erwünschte Dauerhaftigkeit.

Bei der jüngst stattgefundenen Pariser Weltausstellung war dieses Etablissement durch ausgestellte zwei Prachtstücke vertreten. Ein Flügel in matt geschliffenem Palisander, von reicher Ausstattung und dabei von edelster Einfachheit, zog die Blicke auf sich, und wenn das Instrument unter Künstlerhänden erkonte, so wusste man nich, ob man den Künstler oder das Kunstwerk mehr bewundern sollte.

Der reiche Quell der Tone entströmte mit leichter Grazie, wie vom Zauber berührt, und entzückte das Ohr des Zuhörers bald durch die sanft einschmeichelnde, bald durch die Kraft und Energie der dahinrauschenden Musik.

Abermals haben sich die reichen Vorzüge des Ehrbar schen Claviers auf das Glänzendste bewährt, und trotzdem seit der Weltausstellung zu London ein bedeutender Fortschritt in der Clavierfabrikation zu verzeichnen ist und insbesondere Amerika grossartige Leistungen auf diesem Gebiete aufzuweisen hatte, vermochten die österreichischen Claviere dennoch ihren Weltruf zu behaupten.

Auch Ehrbar ist hinter den Fortschritten der Zeit nicht zurückgeblieben und hat redlich für Veredlung und Vervollkommnung gesorgt. Dieses Bestreben fand auch die volle Würdigung und Auszeichnung.

Das zweite Ausstellungs-Object Ehrbar's war ein Pianino, gleichfalls von Palisander, von reizendem Extérieur, das den Ruf des Meisters neu besiegelte. Jury und Kunstwelt waren einig im Lob und Bewunderung dieses Instrumentes, das mit der glänzenden Ausführung im Aeussern die gediegensten Eigenschaften inneren Werthes vereinigte.

Mit Genugthuung kann es constatirt werden, dass die österreichische Clavierfabrikation bei der letzten Pariser Ausstellung den hohen Rang bewahrt hat, den selbe einnimmt, und die Concurrenz am Weltmarkte ist um so mehr gesichert, als unsere Claviere bedeutend billiger sind, als jene anderer Länder.

Sowohl Frankreich, als England erzeugen viel theurer und zumal Amerika setzt für ein gutes Clavier einen Verkaufspreis von 6000-7000 Francs voraus, ein Preis, der bislang bei uns noch für fabelhaft gilt. Dass die Förderung dieser Kunstindustrie, welche das Reich der Tone verherrlicht, auch im Lande eine Anerkennung findet, wird damit bewiesen, dass Herr Ehrbar bereits seit langer Zeit den Titel eines k. k. Hof-Clavierverfertigers besitzt und gelegenheitlich der jüngst geschlossenen Pariser Ausstellung für die erworbenen Verdienste um die vaterländische Industrie durch Se. Majestāt den Kaiser durch Verleihung des Ritterkreuzes des Franz Josef-Ordens ausgezeichnet wurde." Der Spediteur: Organ für das gesammte Communicationswesen und für den ..., 10/12/1867, p. 307

PARIS - "In Ehrbar's Klaviersalon waren dieser Tage zwei Prachtinstrumente für die Weltausstellung exponirt, welche nicht verfehlen werden, daselbst Aussehen zu erregen, denn der Konzertflügel ist nach englischer Konstruktion gebaut, der Kasten von edelstem dunklen Pallisander mit matten Konturen, welche am Deckel eine Blätter- und am Sockel eine Lorberguirlande bilden; Füße und Leier sind ebenfalls mit reider Bildhauerarbeit ausgestattet Der Ton ist von wunderbarer Schönheit, Klangfarbe und Tragweite, ebenso bei dem Pianino, das von ganz mattem Pallisanderholz ist; die Zeichnung ist herrlich, im Renaissancestyle, mit reicher Bildhauerverzierung, mit einem Worte, Ehrbar überliefert der Weltausstellung Instrumente, welche der vaterländischen Klavierindustrie zur Ehre gereichen werden." Fremden-Blatt, 01/04/1867, p. 11

PARIS - "Die österreichische Industrie auf der Pariser Ausstellung. IV.

Die Klaviere tes Hofklaviermachers H. Friedr. Ehrbar auf der Weltausstellung in Paris. In den ersten Jahren der Regentschaft lud Der Herzog von Orleans den minderjährigen Ludwig XV. und die Großen des Hofes nach Versailles, um ihnen das erste Pianoforte zu zeigen, das an den Hof von Frankreich kam und von einem wadern Sachsen, Gottlieb Schröder aus Hohen stein, kurz vorher erfunden worden war. Welch ein Unterschied zwischen jenem damals bewunderten Instrumente und den Pianofortes, die wir heute in den Räumen der Weltausstellung sehen, und die im Kunst- und Familienleben eine so wichtige Rolle spielen.

Wir finden hier nebst allen übrigen europäischen und überseeischen Firmen besonders auch die bedeutendsten Wiens vertreten, müssen aber unter dieser würdigen, Achtung gebietenden Konkurrenz den Instrumenten des Hof-Pianoforte-Fabrikanten Herrn Friedrich Ehrbar unstreitig die Balme zuerkennen.

Herr Ehrbar hat die gegenwärtige Ausstellung mit einem Flügel und einemPianino beschickt, und es war von dem Aussteller, dessen Erzeugnisse in den Exhibitionen von 1845, 1954, 1862 und 1867 jedesmal mit dem ersten Preise gekrönt wurden, ja dessen Pianino auf der Londoner Ausstellung die ähnlichen Erzeugnisse aller seiner Konkurrenten nach dem einstimmigen Urtheile der Jury, der Fachmänner und des Publikums an Vortrefflichkeit weitaus überragte, zu erwarten, auch diesmal durch Meisterwerke im besten Sinne des Wortes vertreten sein werde.

Die beiden Instrumente vereinigen in ibrer äußeren Gewandung die edelste Einfachheit mit dem seinsten Geschmacke. Die Vorzüge ihrer inneren Bauart und ihrer unnachahmlichen Tonfülle und Schönbeit traten gleich in den ersten Stunden ihrer Ausstellung unter den Händen des berühmten Virtuosen Herrn Alfred Jaell, der sich von den herrlichen Werken lange nicht trennen konnte, auf das Glänzendste an den Tag.

Ein weiterer, nicht genug zu schäßender Vorzug der Ehrbar'schen Klaviere ist deren gleiche, pra ise und dabei äußerst leichte Spielart, die er durch einen von ihm erfundenen, einfachen Mechanismus erzielt, und die es selbst den zartesten Damen und Kindern möglich macht, stundenlang ohne Ermüdung zu spielen. Herr Ehrbar hat sich durch diese Erfindung den Dank des musikalischen Bublikums im reichsten Maße verdient.

Sehr erfreulich ist es, daß einem Manne, wie Herrn Ehrbar, auch höheren Orts die verdiente Würdigung zu Theil wird. Herr Ehrbar hatte bereits die Ehre, mehrere Instrumente an den allerhöchsten Hof zu liefern, führt den Titel eines k. t. Hof-Pianoforte Verfertigers und hat eben wieder ein Brachtinstrument bestellt erhalten, das für den Gebrauch Ihrer Majestät unserer hochgeliebten Kaiserin Elisabeth in Gödöllö bestimmt ist.

Auch in dem legten Hofkonzerte im k. k. großen Redoutensaale bediente sich der k. k. Kammer-Virtuose Herr Rudolf Willmers wieder eines herrlichen Ehrbar'schen Konzertflügels, der mit seinen vollen, wundersamen Klängen selbst in diesen riesigen, sonst akustisch höchst ungünstigen Räumen das zahlreiche hohe Auditorium zur lauten Anerkennung hinriß.

Bei dieser Gelegenheit sei zugleich des großartigen, auf die genialste, zweckmäßigste (mit getheilter Arbeit) eingerichteten Etablissements des Herrn F. Ehrbar gedacht, aus dem jährlich 200 bis 300 Instrumente nach allen Weltgegenden versendet werden, und des Meisters Ruf in allen Zonen verbreiten.

Die immensen, auf Jahre hinaus genügenden Vorräthe an edlen Hölzern und sonstigen Materialien bürgen für die Solidität der Arbeit und die Dauerhaftigkeit der Fabrikate, und die Besucher dieses Etablissements werden dasselbe eben so befriedigt durch die dort ge maa machten Einkäufe, als angenehm berührt durch die liebenswürdige Zuvorkommenheit, mit welcher Jedermann daselbst behandelt wird, wieder verlassen." Fremden-Blatt, 20/06/1867, p. 745

PARIS - "Vor Allem muß ich des Herrn Friedrich Ehrbar, k. k. Hof-Clavier lieferanten in Wien erwähnen, dessen zwei Prachtinstrumente, die er ausstellte, nicht im Geringsten vor den Instrumenten der anderen Aussteller, bezüglich des Platzes, bevorzugt sind; im Gegentheile, Herr Ehrbar war bemüht, daß seine Concurrenten vortrefflich placirt wurden. Wahrhaftes Aussehen erregen aber auch die beiden Ehrbar'schen Flügel.

Der eine ist ein prachtvoller Concertflügel, nach englischer Art gebaut, der Kasten vom edelsten dunkien Pallisanderholz mit matten Conturen, die am Deckel eine Blattguirlande und am Sockel eine Lorbeerbekränzung bilden; Füße und Leier sind mit reicher Bildhauerkunst geziert.

Was die innere Construction betrifft, so erreicht der Enthusiasmus des Kunstkenners den höchsten Grad, wenn derselbe die außerordentliche Tragweite und den glockenheilen Klang dieses Prachtinstrumentes vernimmt.

Das einstimmige Urtheil aller anwesenden Künstler darüber ist, daß Herr Ehrbar als Meister erster Größe in der Fabrikation der Claviere zu betrachten sei. Das zweite Piano, im Renaissancestyle aus mattem Pallisander gebaut, zeichnet sich ebenso durch sinnigen als technisch vorzüglichen Bau aus.

Diese Institute verdienen vollkommenen Rechtes einer ersten Auszeichnung, sie zählen aber auch zu den Glanzpunkten der österreichischen Industrie." Wiener Central-Anzeiger für Handel und Gewerbe, 01/05/1867, p. 12

1873

VIENNE - "Bösendorfer und Ehrbar haben ihre Instrumente zum Nutz und Frommen der kleineren Clavierbauer aufgestellt, Herr Ehrbar ist überdies Juror und kann natürlich als solcher an einer Preisbewerbung nicht theilnehmen." Tetschner Anzeiger, 09/07/1873, p. 313

VIENNE - "Ehrbar Friedr., k. k. Hof- und Kammer-Pianofortefabrikant, Ritt. des k. k. österreichisch. Franz Josef-Ordens, Besitzer des gold. Verdienstkreuzes etc., Neue Wieden Pressg. 28." Wiener Gewerbe- und Weltausstellungs-Schema nebst Fremdenführer für 1873 ..., Otto von Pfeiffer, 1873, p. 222

VIENNE - "Die Wiener Claviere zeichnen sich durch ein distinguirtes künstlerisches Moment in ihrem Tone ebenso aus, wie durch die Aeusserlichkeit eines seichten Falles der Tasten und eines bestimmten Schwingens der Claviatur und die Firmen eines Ehrbar und Bösendorfer mit ihrer grossartigen Fabrikation und ihrem bedeutenden überseeischen Export sind längst allgemein bekannt.

Dazu kommt noch, dass bei der trefflichen Qualität der Instrumente eine bestimmte Billigkeit damit verbunden ist, da eben das gesammte Material, Resonnanzböden und Resonnanzhölzer, Saiten und einzelne Bestandtheile, wie Clavier-Notenpulte selbstständig und ganz besonders in grossartiger Weise durch inländisches Material und im Inlande erzeugt werden." Amtlicher Catalog der Ausstellung der im Reichsrathe vertretenen ..., 1873, p. 404

VIENNE - "Wie in der deutschen Abtheilung die Firma J. & P. Schiedmayer in Folge der Jurorstellung des Herrn Commerzienrath Julius Schiedmayer an dem Wettstreite nicht theilnehmen konnte, so musste auch in der österreichischen Abtheilung die Firma Ehrbar & Bösendorfer von der Concurrenzbetheiligung zurücktreten, weil einer der Vorsteher, Herr Ehrbar, in der Jury als Expert thätig war.

Noch während der Ausstellung wurde das Verhältniss zwischen Ehrbar und Bösendorfer getrennt, weil die unter jener Firma zusammengetretene Actiengesellschaft sich vollständig auflöste. Beide Meister aber, Ehrbar und Bösendorfer, haben sich besondere Verdienste um die Pianoforteindustrie Oesterreichs erworben und stehen daher in Wien mit Recht in hohem Ansehen.

Herr Ehrbar, einer der theoretisch gebildetsten und tüchtigsten Meister seines Faches in der österreichischen Hauptstadt, wurde Besitzer der renommirten Fabrik von Seuffert, welche in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts neben Streicher ihren Platz ehrenvoll behauptete.

Besonders interessant waren die Kämpfe, welche die Firma Seuffert mit der gleichzeitig bestehenden Firma Wachtl & Bleyers führte, Den Höhepunkt erreichte der Streit im Jahre 1811, wo letztgenannte Firma in einem geharnischten Artikel vor das Publicum trat und nachzuweisen suchte, dass Seuffert die Erfindungen von Wachtl & Bleyers nachahme und ungerechtfertigterweise auf jedes Instrumentenschild schreibe: „Erfunden von Martin Seuffert."

Unleugbar überragte aber die Seuffert'sche Fabrik die meisten österreichischen Etablissements gleicher Art; sie drang auf dem theilweise noch ungeebneten Boden der Instrumentenbaukunst immer weiter vor und suchte namentlich die akustischen Forschungen Chladny's praktisch zu verwerthen.

Der würdige Nachfolger des früheren Besitzers Seuffert ist nun Ehrbar, dessen Leistungen von den sorgsamsten Studien und eingehendster Erfahrung rühmendes Zeugniss ablegen. In nenester Zeit verband sich dieser strebsame, stets dem Fortschritt huldigende Meister, welcher mit seinen fachmännischen Kenntnissen als Expert der Jury kräftig zur Seite stand und dieselbe bei ihren Untersuchungen in dankenswerthester Weise ganz wesentlich unterstützte, mit dem Pester Clavierfabrikanten L. Beregszaszy zur Herstellung von Flügeln, deren Resonanzboden nach Art der Violinresonanzbodenform gewölbt war.

Diese Erfindung des ungarischen Pianofortefabrikanten ist weiterhin näher angegeben; sie war aber hier besonders anzuführen, weil die beiden Instrumente, welche Ehrbar in solcher Construction hergestellt hatte, in Folge ihres schönen Tones und ihrer grossen Ausgiebigkeit, unbedingt die Aufmerksamkeit des Hörers in hohem Grade in Anspruch nahmen und hinsichtlich ihrer Güte den Nachweis lieferten, dass Ehrbar das von Beregszaszy erfundene System in der besten Weise zu verwerthen verstand. [voir BEREGSZASZY]

Selbstverständlich wäre in Anbetracht diesèr ganz neuen, äusserst beachtenswerthen Flügelform Herrn Ehrbar gewiss das Ehrendiplom zuerkannt worden, gleichwie auch Herr Bösendorfer, der damalige Associé Ehrbar's, diese höchste Auszeichnung sicherlich erworben haben würde, wenn die Firma Ehrbar & Bösendorfer am Wettstreite hätte theilnehmen dürfen; denn Bösendorfer's Fabrik, welche im Jahre 1828 sich aus den schwächsten Anfängen zu entwickeln begann, ist jetzt weitaus die ausgedehnteste Fabrik Oesterreichs, welche 1838 und 1845 auf Wiener Ausstellungen Erfolge errang, nachdem sie schon bald nach ihrer Gründung der Titanenkraft des Virtuosen Franz Liszt ausdauernde Instrumente zur Verfügung gestellt hatte.

Ihre Flügel waren die einzigen in Wien, deren deutsche Construction hinreichende Widerstandsfähigkeit gegenüber der Kraftentwickelung Liszt's besass. Der Sohn des im Jahre 1859 gestorbenen Gründers, welcher durch seine eminente Thätigkeit die Fabrik zu so grossem Ansehen gebracht hatte, erweiterte fortwährend das Etablissement und erreichte einen für Oesterreich so bedeutenden Absatz, dass er jetzt circa 200 Arbeiter beschäftigt, 100 in der Fabrik selbst und 100 ausser dem Hause, welche letzteren die einzelnen Bestandtheile liefern.

Auf den Weltausstellungen in London 1862 und in Paris 1867 fanden die Leistungen des Herrn Ludwig Bösendorfer die wärmste Anerkennung und in Wien selbst ist die Firma so geschätzt, dass in den ersten Concertinstituten dem Bösendorfer'schen Fabrikat der Vorzug gegeben wird; auch die grössten Virtuosen der Jetztzeit, v. Bülow und Rubinstein, bedienten sich zu ihren Concerten in Wien Bösendorfer'scher Flügel, welche sich immer vortrefflich bewährten.

Früher hauptsächlich als Repräsentant der deutschen Mechanik geachtet, hat Bösendorfer später durch seine eigenen Constructionen das Interesse der Kunstfreunde gesteigert. Seine Patentmechanik, welche durch eine sehr geschickte Combination der deutschen und englischen Mechanik entstanden ist und von dem Erfinder, Ludwig Bösendorfer, zum ersten Male in London 1862 präsentirt wurde, ferner sein „Unabhängigkeitsprincip", welches in der Herstellung der Construction ohne Zusammenhang mit der Tischlerarbeit des Kastens besteht, so dass der Flügel selbst ohne den Kasten im Concert gespielt werden kann; endlich eine Resonanzbodenconstruction, nach welcher das Senken des Bodens gänzlich vermieden werden soll, bezeugen das Nachdenken und Streben des angesehenen Meisters, dessen Leistungen die höchste Würdigung verdienen.

Die Instrumente Ehrbar's & Bösendorfer's waren theils kreuzsaitige, theils geradsaitige und sowohl mit Anwendung der deutschen und englischen Mechanik construirt, als auch mit eigenen Erfindungen und Verbesserungen hergestellt.

Diese Vielseitigkeit, welche man bei den 16 Ausstellungsinstrumenten (worunter zwei Pianinos) der erwähnten Actiengesellschaft vorfand, erregte unbedingt nicht geringes Interesse und liess für die Zukunft von der Verbindung Ehrbar & Bösendorfer Bedeutendes erwarten; um so grösser war daher das Bedauern, als die Lösung des Verhältnisses bekannt gemacht wurde und nun auch der Resonanzbodenerfinder Beregszaszy, dieser treffliche, geistvolle Kopf, nicht mehr in Gemeinschaft mit Ehrbar das System der Resonanzbodenwölbung weiter verfolgte, sondern mit Bösendorfer's Fabrik allein das fortschrittliche Princip zur Geltung zu bringen suchte.

Obgleich diese Fragen auch für die Jury nicht uninteressant waren, und die Debatten über das Ehrendiplom sich vielfach mit dem Violinresonanzboden Beregszaszy's beschäftigten, so will ich doch von jeder Beschreibung der inneren Jury kämpfe absehen und mich nur an die Resultate der endgiltigen Präsidentenabstimmung halten, bei welcher mein Motivenbericht als Unterlage zur Feststellung des Thatbestandes benutzt wurde.

Die in meinem Motivenbericht enthaltenen Anträge, für welche der Expert, Herr Ehrbar, mir in der freundlichsten und in Bezug auf seine Collegen, Streicher, Schweighofer und Beregszaszy, Blüthner und Schiedmayer & Söhne äusserst wohlwollenden Weise dankenswerthe Angaben machte, deren Natur die collegialisch ehrenfeste, charaktervolle Gesinnung desselben bezeugte, wurden sämmtlich von der Präsidentschaft genehmigt und es erhielten daher neben den erwähnten deutschen Meistern, Blüthner, Schiedmayer & Söhne, Walcker, auch die drei Pianofortebauer des österreichischen Kaiserstaates, die Herren Ludwig Beregszaszy in Buda-Pest, J. B. Streicher in Wien, Schweighofer & Söhne in Wien, das Ehrendiplom." Musikalische Instrumente, Oscar Paul, 1874, p. 600-603  & Amtlicher Bericht über die Wiener Weltausstellung im Jahre 1873, p. 601-602

Friedrich Ehrbar, k. k. Hof- und Hammer-Pianofortefabrikant,
 dans Wiener Salonblatt: internationale Gesellschaftsrevue, 21/09/1873, p. 487

Friedrich Ehrbar, k. k. Hof- und Kammer - Pianofortefabrikant in Wien.

VIENNE - "Wer über die Fortschritte unserer Industrie eingehende Studien machen will, möge sich in jenen Bavilon bemühen, welcher unter der Firma: „Additionelle Ausstellung, Beiträge zur Geschichte der Erfindungen" eines der interessantesten Objecte der Wiener Weltausstellung bildet. Er findet in diesem Pavillon unter Anderem eine Reihe von Clavieren, welche noch im Laufe dieses Jahrhunderts Eigenthum der Kunstheroen Haydn, Mozart, Beethoven, Schubert, Robert Schumann und Lißt waren, Instrumente, welche dazu dienen mußten, den größten Künstlern die wunderbaren Harmonien zu versinnlichen, die ihrem inneren Ohre yor schwebten, als sie ihre unsterblichen Meisterwerke schufen.

Man sollte glauben, daß diese Claviere im Stande wären, doch mindestens annäherungsweise etwas von der Klangfülle wiederzugeben, welche die Seele der Meister mächtig erfüllte, als sie das, was sie innerlich empfanden, ihren Sinnen wahrnehmbar zum Ausdrucke brachten. Dieser Glaube wird aber mächtig erschüttert, wenn man seine Finger über die armseligen kleinen Instrumente hingleiten läßt, welche bei einem Umfange von kaum mehr als vier Octaven mehr dazu geschaffen scheinen die Geheimnisse zu verschweigen, welche die Hände der Meister ihnen anvertrauten, als denselben einer staunenden Welt gegenüber zum Dolmetsch zu dienen.

Es erging den Heroen unserer musikalischen Welt wie jenen dramatischen Dichtern, welche, wie Shakespeare, darauf angewiesen waren, ihre Schöpfungen unter Umständen und Verhältnissen aufgeführt zu sehen, die man heute kaum in der elendesten Komödiantenbude wiederfindet. Niemals waren sie im Stande, das, was sie empfanden, in seiner ganzen majestätischen Größe und Schönheit wiederzugeben Haydn, Mozart, Beethoven, Schubert versielen mit ihrer Sinnenwelt dem Grabe, ohne auch nur die Ahnung zu haben, daß einst die Zeit kommen werde, in welcher glücklicheren Geschlechtern das, was Jene schusen, in seiner voller, unverkümmerten Schönheit zu Gehör gebracht werden würde.

Und doch ist diese Zeit gekommen! Wer einen Blick auf jene Instrumente wirft, die heute eine Zierde unserer Wiener Weltausstellung bilden, wer ihre Klangfülle auf sich hat einwirken lassen, der muß es bedauern, daß die größten Meister untergingen, ohne den Augenblick zu erleben, in welchem sie das, was sie dachten und empfanden, auch in uuverkümmerter Weise hätten zum Ausdrucke bringen können.

Wir führen heute den Lesern unseres Blattes einen Mann und eine Reihe seiner Werke vor, der unter den Fortepianofabrikanten Wiens einen hervorragenden, vielleicht den ersten Plaz einnimmt: das Bild des k. i. Hof und Kammer-Fortepianofabrikanten Friedrich Ehrbar und die Abbildung zweier seiner Claviere, welche auf der Wiener Weltausstellung die Bewunderung der ganzen musikalischen Welt erregen.

Pianofortes aus der Exposition des k. k. Hof- und Kammer-Pianofortefabrikanten Friedrich Ehrbar in Wien. (Wiener Weltausstellung 1873.)
Wiener Salonblatt: internationale Gesellschaftsrevue, 21/09/1873, p. 487

Friedrich Ehrbar ist es, welcher die Erfindung des gewölbten Resonanzbodens, des sogenannten Cellobodens, auf dem Gebiete der Pianofortefabrikation zur Geltung brachte und zwar mit so großem Erfolge, daß diese Ersindung geradezu als eine epochemachende bezeichnet werden muß. Der Ton der auf diese Weise angefertigten Claviere ist von außerordentlicher Kraft und Fülle, und von einer bisher unerreichten Länge des Athems. Das Ziel dieser neuen Erfindung geht jedoch noch viel weiter.

Die mit einem gewölbten Resonanzboden versehenen Claviere sollen mit den Jahren an Kraft und Fülle des Tones noch ges winnen wahrhafte Zukunftspianos gleich den alten Violinen und Cellos erst dann in ihrer vollen Schönheit sich entfalten, wenn die Jugendkraft unserer bisherigen Pianos bereits im Abnehmen ist. Diese Zukunft der Ehrbar'schen Erfindung läßt sich heute schon auf Grund wissenschaftlicher Prämissen mit aller Bestimmtheit vorhersagen.

Ein flacher Resonanzboden, wie er bisher in allen Pianos angewendet ist, vermag dem Drucke der gespannten Saiten nur schwer Widerstand zu leisten, wogegen ein nach dem Muster der besten Streichinstrumente gebogener Resonanzboden alle Vorzüge vereint, um dem Flügel einen überaus kräftigen, anhaltenden Ton zu verleihen.

Ueberdies passen Ehrbar's Celloböden zu jedem System von Mechanik und erhöhen den Preis des Instrumentes nur um zwanzig bis fünfundzwanzig Gulden.

Pianofortes aus der Exposition des k. k. Hof- und Kammer-Pianofortefabrikanten Friedrich Ehrbar in Wien. (Wiener Weltausstellung 1873.)
Wiener Salonblatt: internationale Gesellschaftsrevue, 21/09/1873, p. 487

Deshalb hat auch die gesammte internationale Jury für Musikinstrumente auf der Wiener Weltausstellung dem Ausspruche des Sectionsberichterstatters Professor Oscar Paul aus Leipzig mit voller Ueberzeugung sich angeschlossen: „daß die Erfindung Ehrbar's unter allen Vorkomm. nissen im Pianoforteban die wichtigste Stelle einnimmt."

Wie das kreuzsaitige System nach der Londoner Ausstellung nur mehr das Steinway'sche hieß und immer heißen wird, so hat die Wiener Ausstellung dem neuen Resonanzboden-System den Namen des Ehrbar'schen Systemes für alle Zeiten gegeben. Ehrbar's Concertflügel mit gewölbtem Boden repräsentiren nach dem Ausspruche von Fachmännern in der Ausstellung nicht nur die hervorragendste, sondern die einzig wesentliche Neuschöpfung auf dem Gebiete des Clavierbaues. In wie hohem Grade diese Instrumente den Forderungen der Schönheit und des guten Geschmackes entsprechen, mag ein Blick auf die hier beifolgenden Zeichnungen zur Genüge darthun.

Daß ein so ausgezeichneter Erfolg die Concurrenten und Neider Ehrbar's nicht ruhen läßt, kann wohl als selbstverständlich angenommen werden. Dessenungeachtet ist es dem wackeren Manne gelungen, nicht allein alle gegen ihn geschmiedeten Pläne zu durchkreuzen, sondern auch jene Verbindung zu lösen, zu welcher er sich sehr gegen seinen Willen hatte drängen lassen. Wir werden vielleicht Gelegenheit nehmen, die Geschichte, dieser Association etwas ausführlicher zu beleuchten.

Unsere heutigen Ausführungen gelten nur der Entwicklungsgeschichte eines Mannes, welcher auf dem Gebiete der österreichischen Industrie eine hervorragende Rolle spielt. Herr Friedrich Ehrbar hat aber nicht allein als Fabrikant einen Namen von gutem Klang, er ist auch ein Geschäftsmann von seltener Rechtlichkeit und Solidität und seine Arbeiter haben alle Ursache, auch die humanitären Vorzüge dieses Mannes in der rückhaltslosesten Weise anzuerkennen." Wiener Salonblatt: internationale Gesellschaftsrevue ; sammt Beilagen "Sport ..., 21/09/1873, p. 488

BÖSENDORFER EHRBAR BEREGZASZKY

"Schließlich das Bemerkenswertheste anf industriellem Gebiete. Unser heimischer Hof-Clavier-Verfertiger Bereghßaß erfand nämlich den Violinresonanzboden als Regeneration der Clavierverfertigung.

Eine Stimme des In- und Auslandes herrschte über den Werth der Erfindung, weßhalb auch momentan die Wiener Clavier-Actien-Gesellschaft Bereghßäßy's Erfindung ankaufte. In Folge dessen war Ehrbar und Bösendorfer berechtigt, an ihren Clavieren den Violinresonanzboden anzuwenden.

Da jedoch Ehrbar sich erkühnte, sich selbst berührte Erfin. dung zuzuschreiben, dies im Feuilleton der N. fr. Br." lügenhaft behauptete, sagte sich Bösendorfer von der Actien-Gesellschaft los, und ist dieselbe bereits als aufgelöst anzusehen.
Hierauf bezüglich theilen wir folgendes in den gelesensten
Wiener Blättern veröffentlichte Circular mit :

Vorläufige Erklärung.

In den zwei Nummern vom 3. und 4. d. M. der Internationalen Ausstellungs-Zeitung (Beilage der "Neuen freien Presse") ist ein von Ed. H. gezeichneter Feuilleton-Artikel über . "Die Musik-Instrumente in der Ausstellung" erschienen, worin der Hof- und Kammer-Clavierfabrikant, herr Ehrbar, als Erfinder meines neuen Violinresonanzbodens bezeichnet wird.

Ich erkläre nun, das ich mich gegen jedwede Usurpirung meiner Erfindung auf das Entschiedenste werwahre und mich veranlasst sehe, sämmtliche Angaben in dem bezeichneten Feuilleton-Artikel, sowohl bezüglich der Erfindung, als auch der technischen Ausführung benannter Resonanzböden als vollständig unwahr hinzustellen.

Ich gebe dem Verasser des Artikels, Herrn Ed. H. acht Tage Zeit zu einer ausführlichen Berichtung und werde, falls diese bis dahin nicht erschienen sein sollte, mich veranlasst sehen, gegen Herrn Ed. H., behufs Wahrung meiner Rechte, die gerichtlichen Schritte einzuleiten.
Ludwig Beregzasaky, k. k. Hof-Pianoforte-Fabrikant, Erfinder des Violin-Resonanzbodens."

"Anknüpfend an obige Erklärung des Herrn Beregzaszky, sehe ich mich verannlasst bekannt zu geben, dass ich nach der demnächst statthabenden Auflösung der "Wiener Clavier-Actien-Gesellschaft," vormals "Bösendorfer & Ehrbar," jede geschäftliche Beziehung mit den Herren Ehrbar und Doctor Eduard Hanslik, abbrechen werde, nachdem ich mit dem Vorgehen benannter Herren durchaus nicht einverstanden bin.
Bösendorfer." Groß-Becskereker Wochenblatt für den Geschäfts-, Gewerb- und Landmann ..., 16/08/1873, p. 438

Eine Erklärung des Clavier-Fabrikanten Herrn Bösendorfer.

"Auf Grund eines am 3. und 5. d. M. in der «N. Fr. Presse» von Dr. Eduard Hanslik erschienenen Artikels, in welchem derselbe den Hof- und Kammer-Clavier-Fabrikanten, Herrn Ehrbar, als den Erfinder des neuen Violin-Resonanzbodens bezeichnet, während Herr Ludwig Beregszászy, k. k. Hof-Pianofabrikant, der wirkliche Producent dieser gewiß lobenswerthen Erfindung ist, erklärt Herr Bösendorfer, als Mitglied der "Wiener Clavier-Actien-Gesellschaft“, vormals Bösendorfer & Ehrbar, jede Geschäftsverbindung mit den Herren Ehrbar und Doctor Eduard Hanslik abzubrechen, nachdem er mit dem Vorgehen benannter Herren durchaus nicht einverstanden ist.

Wir erkennen aus dem tactischen Vorgehen des Herrn Bösendorfer nur immer wieder den reellen Industriellen, als welchen er sich noch jederzeit im vollsten Sinne des Wortes bewies." Neue freie Gemeinde-Zeitung: freies, unabhängiges politisches Journal für ..., 21/08/1873, p. 10

BÖSENDORFER EHRBAR BEREGZASZKY

VIENNE - "Die musikalische Abtheilung der Wiener Weltausstellung. Besprochen von Oscar Paul.

III. Ehrendiplome.

Der Kampf um die Ehrendiplome gehört sicherlich zu dem | reits 1871 in London vorführte und durch eine Broschüre prakInteressantesten innerhalb der Jurorthätigkeit; denn an diesen tisch beleuchtete, zum Zwecke ihrer industriellen Unternehmungen knüpft sich zugleich die Entscheidung über das Hervorragendste der ganzen Ausstellung und über den hauptsächlichsten Fortschritt der einzelnen Fächer.

Unter den Ausstellern, welche den gleichen Industriezweig vertraten, machte sich bald ein leicht begreiflicher Wettstreit geltend; nicht selten steigerte sich derselbe aber bis zu einer das rechte Maß überschreitenden Leidenschaftlichkeit.

Besonders trat diese in der 15. Gruppe hervor, welche bekanntlich die Ausstellung musikalischer Instrumente enthielt und mit ihrem großen Reichthum an Objecten nicht den geringsten Plak in der Rangordnung einnahm.

Richt allein einzelne Länder, sondern auch Aussteller ein und desselben Landes suchten sich gegenseitig den Rang abzulaufen und strebten nach Erringung des höchsten Preises mit ausdauerndster Energie.

Bald erschienen in einzelnen Blättern Artikel, in welchen hier für die eine, dort für die andere Fabrik Partei ergriffen wurde, und wol vermochte man sicher zu erken nen, daß so manches Wort auch für die Jury bestimmt war, um deren Meinung zu Gunsten des Einen oder des Andern zu leiten.

Unter den Jurors der 15. Gruppe kam es aber bald zu Auseinanderseßungen ganz anderer Art und zwar über Principiensragen, welche ich von vornherein mit großem Ernste auf faßte, und mit unausgesekter Aufmerksamkeit verfolgte, weil ich dem Ausgange derselben eine mächtige Tragweite zusprechen mußte.

Um den ganzen Principienstreit, welcher niemals in persönliche Feindseligkeiten ausartete, in der gehörigen Weise zu würdigen, muß ich vorausschicken, daß bald nach dem Zusammentreten der Jury Professor Dr. Hanslick den Antrag stellte, Herrn Ehrbar, einen sehr intelligenten Pianofortebauer Wiens, als Expert in die Jury aufzunehmen.

Herr Ehrbar, früher Besizer einer eigenen Fabrik, war mit der Firma Bösendorfer zu einer Actiengesellschaft zusammengetreten, für welche man Herrn Professor Dr. Hanslick als Verwaltungsrath ernannt hatte.

Durch den Eintritt des Herrn Ehrbar als Expert in die internationale Jury mußte nun laut Statuten die Actiengesellschaftsfirma Ehrbar-Bösendorfer außer Concurs treten; denn S. 15 des Jury-Organisationsplanes lautete folgendermaßen: „Aussteller, welche als Jury-Mitglieder fungiren, verzichten völlig auf die Preisbewerbung, Experte jedoch nur für die betreffende Section."

Da nun der vor allen Wiener Pianofortebauern durch die Jury be sonders ausgezeichnete Herr Ehrbar in der ersten Section (Tasteninstrumente) seinen Plas fand, so war selbstverständlich der Austritt aus der Preisbewerbung von Seiten der Firma, welche er selbst mit leitete, zur Nothwendigkeit geworden.

Diese Firma nun hatte den von dem Buda-Pester Instrumentenbauer Lajos v. Beregszaszy erfundenen Resonanzboden in Violoncelloform, genannt, „Violin resonanzboden", welchen der Erfinder bereits 1871 in London vorführte und durch eine Broschüre praktisch beleuchtete, zum Zwexke ihrer industriellen Unternehmungen angekauft und Herrn Ehrbar war es gelungen, durch geschickte Legung desselben in seiner Fabrik recht gute Instrumente mit erwähntem Sangboden herzustellen.

Es wurde nun von Seiten des Professor Dr. Hanslick nicht mit Unrecht großes Gewicht auf diese Errungenschaft gelegt und ganz besonders das Verdienst der Verwerthung von Seiten des Herrn Ehrbar in den Vordergrund gestellt.

Auch ich schloß mich aus voller Ueberzeugung der Ansicht an, daß hier mit dem Resonanzbodenbau ein neuer und vielleicht sehr ersprießlicher Weg betreten worden sei, hielt aber auch mit meiner Meinung nicht zurück, daß noch viele Verbesserungen im Bau des Pianoforte vorgenommen werden müßten, bevor die Idee mit vollster Wirksamkeit ins Leben treten könne.

Dem Nachdenken, dem Talente und der Erfindungskraft des Herrn v. Beregszaszy, wie der sorgsamen Untersuchung, der Intelligenz und dem Scharsblicke des Herrn Ehrbar zollte ich jedoch in gleichem Maße meine vollste Achtung, obgleich ich wußte, daß auch schon J. Blüthner in Leipzig mit derselben Erfindung nach der Londoner Ausstellung 1871 erfolgreiche Versuche angestellt hatte.

Selbstverständlich war es nun als Sectionsberichterstatter, dem auch die Charakterisirung der Firmen „außer Preisbewerbung" zusiel, meine besondere Pflicht, die Verdienste des in der Jury mitwirkenden Experten Herrn Ehrbar hervorzuheben und seine Leistungen in das rechte Licht zu stellen.

Dies habe ich gethan, ohne die schöpferische Kraft des Herrn v. Beregszaszy und die bedeutungsvolle Leistungsfähigkeit anderer trefflicher Firmen zu vergessen. Ueber den betreffenden Violinresonanzboden enthielt mein Sectionsbericht Folgendes :

„Die Idee (die Erfindung des Violinresonanzbodens von Seiten des Herrn v. Beregszaszy) ist jedenfalls so beachtenswerth, daß die Wissenschaft versuchen muß, eine Begründung zu geben und die Tragweite der von Herrn Ehrbar mit Erfolg angestrebten praktischen Verwerthung zu bemessen.

Beregszaszy unterstüst in seiner Broschüre über genannte Erfindung die praktische Erfahrung nicht durch wissenschaftliche Erperimente und akustische Untersuchungen; aus diesem Grunde könnte von Manchen die Sache als unwesentliche Neuerung verworfen werden, namentlich wenn es einzelnen, mit wenig Geschick begabten Instrumentenbauern nicht gelingen sollte, mit jener Erfindung Resultate zu gewinnen.

Meiner Ueberzeugung nach wäre die Bezeichnung „Celloboden" anstatt „Violinboden" richtiger gewesen, weil die Größe des Violoncelloresonanzbodens eine bessere Parallele zur Größe des Flügelresonanzbodens ergiebt. Abgesehen von diesem unwesentlichen Moment ist jest zu untersuchen, in wie weit die Möglichkeit vorliegt, den Ton mit solchem Resonanzboden größer und mächtiger zu gestalten.

Die Akustik hat nachgewiesen, daß die besten italienischen Violinen und Celli zur Erzeugung sehr regelmäßiger Saitenschwingungen dienlich sind. (Helmholz, Lehre von den Toneinfindungen, 3 aust. S. 145)

Da nun trots der Rauhigkeiten,  welche durch das Streichen des Bogens auch bei der größten Virtuosität entstehen müssen, dennoch die Schwingungsform der Violin- und Cellosaiten eine ungemein sichere und regelmäßige ist, so läßt sich annehmen, daß auch bei richtigem Hammeranschlag und bei Abmessung eines passenden Verhältnisses zwischen dem Druck der Saiten und der Widerstandsfähigkeit des Resonanzbodens im Clavierkasten Töne entstehen müssen, deren Schwingungsform als äußerst regelmäßige erscheint.

Ebenso ist hierbei in Betracht zu ziehen, daß die guten Geigeninstrumente eine sehr kräftige Bewegung der Saiten erlauben und daß die ganze Intensität ihres Tones ohne Verlust der Lust mitgetheilt wird. Daraus ergiebt sich, daß die nach Art der Geigeninstrumente construirten Resonanzkörper mehr Elasticität besiken und mithin besser wirken können, als Resonanzplatten mit geringerer Elasticität, weil jede Unvollkommenheit in der Elasticität des Holzes einen Theil der Bewegung auch bei stärkeren Vibrationen verloren gehen läßt.

Da also nachweisbar die Ueberleitung der Schwingungen an die Luft vermittelst eines geigenartigen Bodens besser geschehen kann, als durch Resonanzplatten, da ferner langer Gebrauch einen Violin- oder Celloboden immer elastischer macht und ihn fort und fort mehr befähigt, den durch Schwingungen der Saiten angeregten Ton in reichen Schattirungen zu reproduciren, so dürfte wol ohne Zweifel klar sein, daß man es hier mit einer außerordentlich wichtigen Sache zu thun hat, deren weitere Behandlung in der Praxis die größte Aufmerksamkeit verdient.

Jedenfalls nimmt diese von Herrn Ehrbar gewonnene und benuste Erfindung unter allen Vorkommnissen im Pianofortebau die wichtigste Stellung ein, weil es sich um fortschrittliche Tendenzen bei Erzeugung einer von disharmonirenden Partialtönen freien Klangfarbe der Instrumente handelt; denn nur dann kann die Klangfarbe schön genannt werden, wenn bei der akustischen Untersuchung die disharmonirenden Obertöne nicht vorhanden sind. [...][...]" Leipziger Zeitung, 12/10/1873, p. 489-494

VIENNE - "Kürzere Notizen. Auf der Wiener Ausstellung befin= den sich große Concertflügel von Bösendorfer und Ehrbar in Wien, die nach dem System des letztgenann= ten Pianoforte-Fabrikanten gebaut sind.

Mit dem überraschendsten Erfolge führen sie die neueste Erfindung der gewölbten Resonanzboden oder Celloboden vor. Ihr Ton ist von außerordentlicher Kraft und Fülle, von einer bisher unerreichten Länge des Athems und daber von einer allen Arten des Anschlags entgegenkommenden und dem gewaltsamsten Angriff troßenden Spielart.

Somit konnte sich die gesammte Jury der Gruppe der Musikinstrumente dem Urtheil unseres Leipzigers Oskar Paul anschließen, „daß die Erfindung Ehrbar's unter allen Vorkommnissen im Pianoforte-Bau die wichtigste Stelle einnehme."

Wir wollen noch hinzufügen, daß Ehrbar's Celloboden zu je dem System von Mechanik passen und den Preis des In struments nur um zwanzig bis fünfundzwanzig Gulden erhöhen." Europa: Chronik der gebildeten Welt. 1873, nr. 32, p. 503

BÖSENDORFER EHRBAR BEREGZASZKY

Feuilleton. Die Musik-Instrumente in der Wiener Weltausstellung. - (Claviere.)

VIENNE - "Ed. H. Indem wir den musikliebenden Leser zu einem Gange durch die stattliche Ausstellung von Tonwerkzeugen einladen, gedenken wir ihn nur bei den hervorragendsten oder eigenthümlichsten Erscheinungen jeder Gattung aufzuhalten; für einzelnes Detail, sowie für allgemeine Betrachtungen wird sich wohl später noch Gelegenheit finden. Beginnen wir mit dem Allerwelts-Instrumente, dem Piano.

Welch riesenhafte Entwicklung das Clavier seit dem Augsburger Johann Andreas Stein, dem Ahnherrn unserer Clavier-Fabrikation zurückgelegt hat, kann man an der lebendigen Chronologie dieses In Instrumentes in unserer Additionellen Ausstellung" sehen. In den letzten 50 Jahren zumal haben sich die Fortschritte und Verbesserungen gedrängt. Nur Eines gelang fast gar nicht: der raschen Abnüzung der Claviere zu steuern.

Man könnte es ein Unglück nennen, das die Claviere mit den Weltausstellungen theilen: das darauf verwendete Kapital von Arbeit, Geld und Intelligenz steht in keinem Verhältnisse zu der kurzen Dauer des fertigen Werkes. Ein gutes Blas-Instrument, eine schöne Harfe hat man für seine Lebenszeit, eine Violine noch darüber hinaus, für Kinder und Kindeskinder; warum verliert gerade ein Piano nach 8 oder 10 Jahren seine Klangschönheit, seinen ganzen Jugendreiz?

Die Antwort darauf vermag uns auch die „Additionelle Ausstellung" zu geben, welche überhaupt, als ein redendes Buch der Vergangenheit, manchen längstersehnten Bescheid für denjenigen bereit hält, der zu fragen versteht. Betrachtet man nämlich eines der schrill und tonlos gewordenen Claviere, welche vor 20 bis 30 Jahren durch Wohllaute entzückten, so wird man gewahr, daß sich ihr Resonanzboden gesenkt hat.

Diese Senkung des Bodens trägt die Hauptschuld an dem raschen Altern der Claviere. Sie ist nicht durch Nachbesserung zu beseitigen, wie andere Zeiteinflusse, sie ist ist unerbittlich, unausbleiblich und entscheidend.

Trozdem hat an dem bisherigen Princip des Resonanzbodens, nämlich seiner Horizontalen, flachen Form der reformirende Geist der Instrumentenmacher niemals zu rühren gewagt. Man begnügte sich mit den allerdings werthvollen Vervollkommnungen, welche durch Auswahl besseren Holzes, durch Vergrösserung der Dimensionen und neuestens durch starke Eisenverspreizungen gewonnen wurden. Aber, wie gesagt, die geheiligte Tradition der Plattform des Resonanzbodens, welche das Clavier von seinem bescheidenen Ausgangspunkte, dem deutschen Hacdbrett", mitgebracht, blieb unangetastet.

Und doch so sollte man meinen hätte der Bau der Geigen und Violoncelle einmal auf die Idee führen müssen, ob nicht auch Claviere mit ähnlichem gewölbten Resonanzboden möglich seien, und ob nicht durch diese Reform etwas von dem Segen der Geige auf die Lebensdauer und die Klangschönheit des Pianofortes überströmen würde?

Die Idee ist so natürlich und überzeugend, daß sie Manchen wie das Ei des Columbus erscheinen mag - doch mit dem großen Unterschiede, daß ihre erste und volle Realisirung nur einem Meister gelingen konnte. Sie ist dem Clavierfabrikanten Friedrich Ehrbar in Wien gelungen, von dessen Namen die neueste, epochemachende Reform im Pianofortebau fortan untrennbar bleibt.

Die von der Firma Bösendorfer & Ehrbar ausgestellten (noch vor der Associirung dieser Fabrikanten von Chrbar verfertigten) großen Concertflügel produciren die neue Erfindung der gewölbten Resonanzboden oder „Celloboden" mit dem überraschendsten Erfolge. Ihr Ton ist von außerordentlicher Kraft und Fülle, von einer bisher unerreichten Länge des Athems, dabei von ciner allen Nüancen des Anschlags entgegenkommenden und dem gewaltsamsten Angriff Angriff tro troßenden Spielart.

So viel wäre also jekt schon bewiesen, daß der gewölbte Bo Boden die Kraft und Schönheit des Claviertones ungemein fördert. Aber, wie wir gesehen haben, geht das Ziel der neuen Erfindung viel weiter; dieser prachtvolle Ton soll mit den Jahren noch schöner werden und die Claviere wahrhafte Zukunftspianos sollen in voller Blüthe stehen, wenn ihre nicht gewölbten Zeitgenossen bereits abwelken.

Mit höchster Wahrscheinlichkeit läßt sich heute schon auf Grund wissenschaftlicher Prämissen und nach der Analogie der Streich - Instrumente die Zukunft der Ehrbar'schen Erfindung bestimmen.

Ein flacher Resonanzboden, wie er bisher in allen Pianos angewendet ist, vermag im Verhältniß zu seiner großen Ausdehnung dem Drucke, welchen die gespannten Saiten auf ihn ausüben, den nöthigen permanenten Widerstand nicht zu leisten, er muß sich daher allmälig senken. Geschieht dies und fehlt jener nothwendige Druck, durch welchen die Saiten ihren schönen Ton vom Resonanzboden empfangen müssen, so entsteht sofort eine qualitative und quantitative Verminderung des Tones.

Dazu kommt, daß der Kasten (corpus) durch den Zug der Saiten oben zusammengezogen wird und den Boden, welcher unterhalb des Saitenbe zuges liegt, auch noch hinüberdrückt. Man kann bei fehlerhaft gebauten oder abgenuhten Pianos diesen Uebelstand deutlich sehen; er verursacht das Losreißen der Saiten vom Resonanzbodensteg und damit das sogenannte „Schäppern", den Ruin des Claviertones. Hingegen vereinigt ein nach Muster der besten Streich-Instrumente gebogener oder ausgehobelter Resonanzboden alle Vorzüge, um einem Flügel den kräftigsten Ton und die Verbesserung desselben durch Zeit und Gebrauch zu gewährleisten.

Denn schon seine nach oben gewölbte, nach rechts und links abdachende Form vereitelt jede Senkung; dort hingegen, wo der Zug der Saiten (etwa 250 Centner) das Zusammenziehen des Corpus unausweichlich macht, wird der Boden und durch diesen wieder der Saitenbezug gehoben ein außerordentlicher Vortheil für die Klangschönheit.

Denn erst durch diese permanente Widerstandsfähigkeit des Bodens können die Vibrationen mit der Länge der Zeit zunehmen, die Knotenpunkte sich verstärken; die Töne verschmelzen im Piano viel inniger, treten im Forte weit kräfti käftiger, plastischer hervor und erhalten eine nachhaltende Kundung, welche in diesem Maße den Pianos aller Construktionen bisher fehlte.

Die Akustik constatirt, daß der Bau der guten Geigen-Instrumente, bei möglichster Elasticität des Holzes, sehr regelmässigen Saitenschwingungen günstig ist, weshalb jene eine fräftigere Bewegung der Saiten gestatten und die ganze Intensität ihres Tones ohne Verlust der Luft mittheilen. (Helmholtz „Tonempfindungen", 2. Auflage, Seite 146.)

Bei guter Auswahl des Holzes und sorgfältiger Bearbeitung desselben werden Ehrbar's geigenartig gewölbte Resonanzböden gleich den Violinboden immer elastischer werden und Töne von äußerst regelmäßiger Schwingungsform in reichen Schattirungen reproduciren.

Ueberdies passen Ehrbar's „Celloboden" zu jedem System von Mechanik und erhöhen den Preis des Instrumentes nur um 20 bis 25 Gulden. Und so konnte denn die gesammte Jury unserer Gruppe sich dem Ausspruch des Sections-Berichterstatters, Professor Oskar Paul aus Leipzig mit voller Ueberzeugung anschließen: „daß die Erfindung Ehrbar's unter allen Vorkommnissen im Pianoforte-Bau die wichtigste Stelle einnimmt."

Die Idee dieser neuen Resonanzboden mag schon lange in Ehrbar's Kopf rumort haben. Schon während der Londoner Ausstellung 1862 (wo sich Ehrbar durch seinen jekt allenthalben nachgeahmten „Pianino-Quarréboden" als einen der echten Erfinder documentirte, welche nicht aus Eitelkeit nur irgend etwas Neues machen, sondern wirklichen Bedürfnissen bleibend abhelfen) sprach Ehrbar davon mit Henry Steinway, welcher den Gedanken bewunderte, ohne noch recht an seine Ausführbarkeit zu glauben.

Auch mit Beregszaszh aus Pest, einem rastlos nachdenkenden Clavierfabrikanten, der auf allen Weltausstellungen seinem Vaterlande Ungarn Ehre machte, besprach Ehrbar oft und eingehend das Project. Während die deutsche

Bedächtigkeit Ehrbar's den Plan langsam ausreisen ließ, hatte Beregszaszy mit dem feurigen Ungestüm des Ungarn die Idee erfaßt und schon im Jahre 1871 einen Resonanzboden fertiggebracht, den er (noch ohne Clavier) in London ausstellte. So viel wir wissen, hat dieser Versuch in London nur das Interesse einer Curiosität, aber keine fruchtbringende Theilnahme oder Nachfolge erweckt.

Das erste Piano mit gewölbten Resonanzboden hat Ehrbar gebaut und hat es sogleich meisterhaft gebaut. Zu dem erfinderischen Kopf gehört die glückliche Hand, soll eine technische Reform für sich selbst Propaganda machen. Wie das kreuzsaitige System nach der Londoner Ausstellung nur mehr das „Steinway'sche" hieß und immer heißen wird, so hat die Wiener Ausstellung dem neuen Resonanzboden-System den Namen, des „Ehrbar'schen" für alle Zeiten gesichert." Musica sacra: Zeitschrift für katholische Kirchenmusik ; offizielles, 01/11/1873, p. 95-96 & Euterpe, eine Musik-Zeitschrift, 1874, Nr. 5, p. 83-84

VIENNE - "Die Musik-Instrumente in der Ausstellung - Ed. H. Indem wir den musikliebenden Leser zu einem Gange durch die stattliche Ausstellung von Tonwerkzeugen einladen, gedenken wir ihn nur bei den hervorragendften oder eigenthümlichsten Erscheinungen jeder Gattung aufzuhalten; für einzelnes Detail, sowie für allgemeine Betrachtungen wird sich wohl später noch Gelegenheit finden. Beginnen wir mit dem Allerwelts-Instrumente, dem Piano.

Welch riesenhafte Entwicklung das Clavier seit dem Augsburger Johann Andreas Stein, dem Ahnherrn unserer Clavier-Fabrikation zurückgelegt hat, kann man an der lebendigen Chronologie dieses Instrumentes in unserer Additionellen Ausstellung" sehen. In den lezten 50 Jahren zumal haben sich die Fortschritte und Verbesserungen gedrängt.

Nur eines gelang fast gar nicht: der raschen Abnüzung der Claviere zu steuern. Man könnte es ein Unglück nennen, das die Claviere mit den Weltausstellungent heilen: das darauf verwendete Kapital von Arbeit, Geld und Intelligenz steht in keinem Verhältnisse zu der kurzen Dauer des fertigen Werkes. Ein gutes Blas-Instrument, eine schöne Harfe hat man für seine Lebenszeit, eine Violine noch darüber hinaus, für Kinder und Kindeskinder; warum verliert gerade ein Piano nach 8 oder 10 Jahren seine Klangschönheit, feinen ganzen Jugendreiz? Die Antwort darauf vermag uns auch die „Additionelle Ausstellung“ zu geben, welche überhaupt, als ein redendes Buch der Vergangenheit, manchen längstersehnten Bescheid für denjenigen bereithält, der zu fragen versteht.

Betrachtet man nämlich eines der schrill und tonlos gewordenen Claviere, welche vor 20 bis 30 Jahren durch Wohllaut entzückten, so wird man gewahr, daß sich ihr Resonanzboden gesenkt hat. Diese Senkung des Bodens trägt die Hauptschuld an dem raschen Altern der Claviere. Sie ist nicht durch Nachbesserung zu beseitigen, wie andere Zeiteinflüße, sie ist unerbittlich, unausbleiblich und entscheidend. Troßdem hat an dem bisherigen Princip des Resonanzbodens, nämlich seiner horizontalen, flachen Form der reformirende Geist der Instrumentenmacher niemals zu rühren gewagt. Man begnügte sich mit den allerdings werthvollen Vervollkommnungen, welche durch Auswahl besseren Holzes, durch Vergrößerung der Dimensionen und neuestens durch starke Eisenspreizungen gewonnen wurden.

Aber, wie gesagt, die geheiligte Tradition der Plattform des Resonanzbodens, welche das Clavier von seinem bescheidenen Ausgangspunkte, dem deutschen Hackbrett", mitgebracht, blieb unangetastet. Und doch so sollte man meinen hätte der Bau der Geigen und Violoncelle einmal auf die Idee führen müssen, ob nicht auch Claviere mit ähnlichem gewölbten Resonanzboden möglich seien, und ob nicht durch diese Reform etwas von dem Segen der Geige auf die Lebensdauer und die Klangschönheit des Pianofortes überströmen würde? Die Idee ist so natürlich und überzeugend, daß sie Manchem wie das Ei des Columbus erscheinen mag doch mit dem großen Unterschiede, daß ihre erste und volle Realisirung nur einem Meister gelingen konnte.

Sie ist dem Clavierfabrikanten Friedrich Ehrbar in Wien gelungen, von dessen Namen die neueste, epochemachende Reform im Pianofortebau fortan untrennbar bleibt.

Die von der Firma Bösendorfer & Ehrbar ausgestellten (noch vor der Associirung dieser Fabrikanten von Ehrbar verfertigten) großen Concertflügel produciren die neue Erfindung der gewölbten Resonanzboden oder „Celloboden" mit dem überraschendsten Erfolge. Ihr Ton ist von außerordentlicher Kraft und Fülle, von einer bisher unerreichten Länge des Athems, dabei von einer allen Nüancen des Anschlags entgegenkommenden und dem gewaltsamsten Angriff troßenden Spielart.

So viel wäre also jest schon bewiesen, daß der gewölbte Boden die Kraft und Schönheit des Claviertones ungemein fördert. Aber, wie wir gesehen haben, geht das Ziel der neuen Erfindung viel weiter; dieser prachtvolle Ton soll mit den Jahren noch schöner werden und die Claviere wahrhafte Zukunftspianos sollen in voller Blüthe stehen, wenn ihre nicht gewölbten Zeitgenossen bereits abwelken. Mit höchster Wahrscheinlichkeit läßt sich heute schon auf Grund wissenschaftlicher Prämissen und nach der Analogie der Streich-Instrumente die Zukunft der Ehrbar'schen Erfindung bestimmen.

Ein flacher Resonanzboden, wie er bisher in allen Pianos angewendet ist, vermag im Verhältniß zu seiner großen Ausdehnung dem Drucke, welchen die gespannten Saiten auf ihn ausüben, den nöthigen permanenten Widerstand nicht zu leisten, er muß sich daher allmälig senken. Geschieht dies und fehlt jener nothwendige Druck, durch welchen die Saiten ihren schönen Ton vom Resonanzboden empfangen müssen, so entsteht sofort eine qualitative und quantitative Verminderung des Tones. Dazu kommt, daß der Kasten (corpus) durch den Zug der Saiten oben zusammengezogen wird und den Boden, welcher unterhalb des Saitenbezuges liegt, auch noch hinüberdrückt.

Man kann bei fehlerhaft gebauten oder abgenugten Pianos diesen Uebelstand deutlich sehen; er verursacht das Losreißen der Saiten vom Resonanzboden= steg und damit das sogenannte „Schäppern“, den Ruin des Claviertones. Hingegen vereinigt ein nach Muster der besten Streich-Instrumente gebogener oder ausgehobelter Resonanzboden alle Vorzüge, um einem Flügel den kräftigsten Ton und die Verbesserung desselben durch Zeit und Gebrauch zu gewährleisten.

Denn schon seine nach oben gewölbte, nach rechts und links abdachende Form vereitelt jede Senkung; dort hingegen, wo der Zug der Saiten (etwa 250 Centner) das Zusammenziehen des Corpus unausbleiblich macht, wird der Boden und durch diesen wieder der Saitenbezug gehoben ein außerordentlicher Vortheil für die Klangschönheit. Denn erst durch diese permanente Widerstandsfähigkeit des Bodens können die Vibrationen mit der Länge der Zeit zunehmen, die Knotenpunkte sich verstärken; die Töne verschmelzen im Piano viel inniger, treten im Forte weit kräftiger, plastischer hervor und erhalten eine nachhaltende Rundung, welche in diesem Maße den Pianos aller Constructionen bisher fehlte.

Die Akustik constatirt, daß der Bau der guten Geigen-Instrumente, bei möglichster Elasticität des Holzes, sehr regelmäßigen Saitenschwingungen günstig ist, weshalb jene eine kräftigere Bewegung der Saiten gestatten und die ganze Intensität ihres Tones ohne Verlust der Luft mittheilen. (Helmhol g' „Tonempfindungen“, 2. Aufl., Seite 146.) Bei guter Auswahl des Holzes und sorgfältiger Bearbeitung desselben werden Ehrbar's geigenartig gewölbte Resonanzboden gleich den Violinboden immer elastischer werden und Töne von äußerst regelmäßiger Schwingungsform in reichen Schattirungen reproduciren.

Ueberdies passen Ehrbar's Celloboden" zu jedem System von Mechanik und erhöhen den Preis des Instrumentes nur um 20 bis 25 Gulden. Und so konnte denn die gesammte Jury unserer Gruppe sich dem Ausspruch des Sections-Berichterstatters, Professor Oscar Paul aus Leipzig mit voller Ueberzeugung anschließen: „daß die Erfindung Ehrbar's unter allen Vorkommnissen im Pianoforte-Bau die wichtigste Stelle einnimmt".

Die Idee dieser neuen Resonanzboden mag schon lange in Ehrbar's Kopf rumort haben. Schon während der Londoner Ausstellung 1862 (wo sich Ehrbar durch seinen jezt allenthalben nachgeahmten „Piano: Quarréboden" als einen der echten Erfinder documentirte, welche nicht aus Eitelkeit nur irgend etwas Neues machen, sondern wirklichen Bedürfnissen bleibend abhelfen) sprach Ehrbar davon mit Henry Steinway, welcher den Gedanken bewunderte, ohne noch recht an seine Ausführbarkeit zu glauben. Auch mit Beregszaszy aus Pest, einen rastlos nachdenkenden Clavierfabrikanten, der auf allen Weltausstellungen seinem Vaterlande Ungarn Ehre machte, besprach Ehrbar oft und eingehend das Project.

Während die deutsche Bedächtigkeit Ehrbar's den Plan langsam ausreifen ließ, hatte Beregszaszy mit dem feurigen Ungestüm des Ungarn die Idee erfaßt und schon im Jahre 1871 einen Resonanzboden fertiggebracht, den er (noch ohne Clavier) in London ausstellte. So viel wir wissen, hat dieser Versuch in London nur das Interesse einer Curiosität, aber keine fruchtbringende Theilnahme oder Nachfolge erweckt.

Das erste Piano mit gewölbtem Resonanzboden hat Ehrbar gebaut und hat es sogleich meisterhaft gebaut. Zu dem erfinderischen Kopf gehört die glückliche Hand, soll eine technische Reform für sich selbst Propaganda machen. Wie das kreuzsaitige System nach der Londoner Ausstellung nun mehr das „Steinway'sche" hieß und immer heißen wird, so hat die Wiener Ausstellung dem neuen Resonanzboden-System den Namen des „Ehrbar'schen" für alle Zeiten gesichert." Euterpe: eine Musik-Zeitschrift, Nr. 5, 1874, p. 84

1876

MÜNCHEN - "Die Elfenbeinimitation hat namentlich herhalten müssen, um Pianofortes aufzupuķen. Die Musikinstrumente spielen im Allgemeinen auf dieser Ausstellung eine ziemlich traurige Figur, wo nicht die schöne Seele, sondern einzig der schöne Körper Anerkennung zu erwarten hat. Der Ton mag noch so bezaubernd, die Mechanik völlig neu sein: hier gilt das Klavier, nur als Möbel. Darunter leidet insbesondere Fr. Ehrbar in Wien.

Sein Flügel mit der neuen Vorrichtung, welche dem Pianoforte eine stets ersehnte aber kaum erhoffte Eigenschaft verleiht: dem einzelnen Ton oder Accord jede beliebige Dauer zu geben, während die Melodie fortschreitet – dieser Flügel ist von der Münchener musikalischen Welt mit demselben Guthusiasmus begrüßt worden wie in Wien.

Aber das Problem, aus einem Flügel ein schönes Möbel zu machen, hat Ehrbar so wenig wie Bösendorfer oder die zahlreichen Stuttgarter und andere Klaviermacher zu lösen vermocht.'

Günstiger stellt sich die Sache beim Pianino, dem für die Wohnungsnoth bezeichnenden Instrumente. Doch sucht man auch da vergebens nach einer wirklich befriedigenden Lösung, wird vielmehr immer aufs neue daran erinnert, daß es unserer Zeit unglaublich schwer fällt, für Gegenstände, welche den früheren Jahrhunderten noch nicht bekannt waren eine dem ästhetischen Gefühle genügende Form zu schaffen.

Macht doch selbst das Anbringen der Leuchter an den Pianinos unüberwindliche Schwierigkeiten; am liebsten läßt man dieselben aus dem Mittelpunkte einer Füllung herausspringen, welche ihnen scheinbar gar keinen Halt bietet.

Oberbaurath v. Hansen hat für Ehrbar einen neuen Aufbau construirt, der, von zwei Eckthürmen flankirt, stark an Hansen'sche Monumentalbauten und an die Münchener Propyläen erinnert.

Diese Gestalt soll dem Pianofortefabricanten manchen Vortheil gewähren und sie wird sich wohl auch in gefälligerer Weise weiter ausbilden lassen, während sie ießt noch entschieden zu fahl erscheint und nach Bekrönungen, etwa durch Vasen oder dergleichen verlangt, mit denen ein Klavier zu schmücken doch wieder unpassend sein würde." Die Kunst-Industrie auf der deutschen Ausstellung in München 1876, p. 28-29

1878

PARIS - "11. Ehrbar, Friedrich. Fabrique de pianos de la Cour I. R. Vienne, IV. Pressgasse 28. — Piano à queue, pianino. (1102.)" Catalogue des exposants: Section d'Autriche ; Exposition universelle de 1878, p. 20

 PARIS - "11. Ehrbar Friedrich, k. k. Hof- und Kammer-Clavierfabrikant (Wien, VI. Pressgasse 28). Flügel, Fortepiano, Pianino. [1102]" Katalog der österreichischen abtheilung: internationale ausstellung zu Paris ..., 1878, p. 69

 PARIS - "Friedrich Ehrbar. Der bekannte Hof- und Kammer-Clavierfabrikant, Herr Friedr. Ehrbar, hat bekanntlich die österreichische Clavierindustrie durch eine neue Erfindung bereichert, die der Pariser Weltausstellung mit einer ersten Auszeichnung als eminenter Fortschritt anerkannt wurde.

Die erwähnte Frfindung ist eine neue Clavierconstruction, genannt „Prolongement", deren Wesenheit darin besteht, dass durch einen starken Fondbau und durch eigenartige Spannung der Saiten eine derartige Verlängerung des angeschlagenen Tones erzielt wird, dass auf dem „Prolongement" Passagen, wie bei einem Streichorchester, gespielt werden können.

Die Dimensionen des Instrumentes sind kleiner, als wie bei den gewöhnlichen Instrumenten. Diese Erfindung des an Verdiensten gewiss nicht armen Hof- und Kammer-Clavierfabrikanten Herrn Ehrbar in Wien, hat die österreichische Clavierindustrie durch eine Specialität bezeichnet, welche ihren Schöpfer unseren verdienstvollsten Industriellen beigesellte." Handels- und Gewerbeblatt für Oesterreich-Ungarn: Organ für Volkswirthschaft ..., 01/12/1879, p. 125

 PARIS - "Friedrich Ehrbar. - Die Firma Ehrbar, auf der diesjährigen Pariser Weltausstellung mit der goldenen Medaille ausgezeichnet, braucht in Oesterreich ja auf dem ganzen Continente nicht näher specifirt zu werden.

Sie hat auf dem Gebiete der Clavier-Fabrikation Epochales geleistet, und die neuesten Flügel von Ehrbar können selbst in Amerika, dem Lande der genialen Instrumental-Construction kühn das Urtheil und die Concurrenz herausfordern.

Mit der Offenher zigkeit des Yankee hat der große transatlantische Flügel-Erzeuger Stainway in Paris eingestanden, daß die Wiener Firma Ehrbar ihn aus dem Felde geschlagen, und von allen Bewerbern auf dem Gebiete dieser Industrie ausnahmlos das Höchste geleistet habe.

Die Erfolge des Hauses Ehrbar sind dadurch zu erklären, daß sein Chef rastlos fortarbeitet und Neues, Vollkommenes zu schaffen und zu ersinnen sucht, ungleich anderen Wiener Firmen, die so lange am veralteten Renommé fortzehren, bis dasselbe thatsächlich aufgezehrt ist.

Der Clavier-Salon Ehrbar im vierten Bezirk (Preßgasse 28) bietet für den einheimischen und fremden Besucher eine reiche Fülle von Sehenswürdigkeiten, insbesondere die sinnreich angebrachten Prolongements, durch welche am Clavier das Her vorbringen von orchestralen Effecten ermöglicht wird. Diese Construction kann auch an gewöhnlichen Flügeln ohne besonders hohe Kosten angebracht werden." Publicistische Blätter, 27/10/1878, p. 7

1898

VIENNE - "Große Aufmerksamkeit widmete der Kaiser dem Expositionsobjekte des f. und k. Hof- und Kammerklavierfabrikanten Friedrich Ehrbar, das bekanntlich im Mittelpunkte des Pavillons „Bildung" instalirt, zu den reize vollsten und künstlerisch werthvollsten Darbietungen der Jubiläumsausstellung zählt.

Der Monarch gab wiederholt seinem lebhaften Beifalle über das Objekt Ausdrud. Der Präsident der Ausstellung Gras Hardegg lenkte die Auf merksamkeit des Kaisers auf ein besonderes Prunkstück des Klavierbanes, auf das Opus 10.000 des Hauses Ehrbar. Der Chef desselben, Herr Friedrich Ehrbar jun., erläuterte das prächtige Expositionsobjekt, dessen Wände mit den österreichischen Länderwappen in Email geziert sind.

Der Monarch vernahm mit sichtlicher Befriedigung, daß der Ehrbar'sche Klavierbau bei der hohen Ziffer 10.000 angelangt sei, und Herr Ehrbar jun. durfte erläuternd hiezu bemerken, daß sein Haus mit dem Instrumente ein Doppeljubiläum feiere, denn es seien nun gerade fünfzig Jahre her, daß sein Vater die Klavierfabrik in Wien begründet habe.

Der Kaiser erwiderte, es frene ihn die außerordentliche Leistung. Unter wiederholten Versicherungen seines besonderen Beifalles verabschiedete sich der Monarch von Herrn Ehrbar jun. in huldvollster Weise.

Bei den ausgestellten Apparaten des Kunsttischlers Chr. Schaller, 5. Bezirk, Ziegelofen gasse Nr. 28, äußerte sich der Monarch sehr lobend und frug: „Haben Ste das selbst gemacht?" was Herr Schaller bejahte, worauf Se. Majestät sagte: „Sehr hübsch." " Fremden-Blatt, 31/08/1898, p. 32

VIENNE - "Ungewöhnlich intensive Aufmerksamkeit widmete der Kaiser dem Expositionsobjecte des k. u. k. Hof- und Kammer-Clavierfabrikanten Friedrich Ehrbar, das bekanntlich, im Mittelpunkte des Pavillons „Bildung" installirt, zu den reizvollsten und künstlerisch werthvollsten Darbietungen der Jubiläumsausstellung zählt.

Der Monarch gab wiederholt seinem lebhaften Beifalle über das Object Ausdruck. Der Präsident der Ausstellung Graf Hardegg lenkte die Aufmerksamkeit des Kaisers auf ein besonderes Prunkstück des Clavierbaues, auf das Opus 10,000 des Hauses Ehrbar.

Der Chef desselben, Herr Friedrich Ehrbar jun., erläuterte das herrliche Expositionsobject, dessen Wände mit den österreichischen Länderwappen in Email geziert sind.

Der Monarch vernahm mit sichtlicher Befriedigung, daß der Ehrbar'sche Clavierban bei der hohen Biffer 10,000 angelangt sei, und Herr Ehrbar jun. durfte erläuternd hiezu bemerken, daß sein Haus mit dem Instrumente ein Doppeljubiläum sciere, denn es seiennни gerade fünfzig Jahre her, daß sein Vater die Clavierfabrik in Der Kaiser erwiderte, es freue ihir die außerordentliche Leistung. Unter wiederholten Versicherungen seines besonderen Beifalles verabschiedete auch der Monarch Herrn Ehrbar jun. in huldvollster Weise." Neues Wiener Tagblatt: demokratisches Organ, 31/08/1898, p. 5

VIENNE - "(Das moderne Ehrbar-Clavier.) In der Wiener Ausstellung erfreute sich die Exposition der altbewährten Firma Ehrbar ganz besonderer Beachtung und ein Prachtstück der Clavier-Baukunst ist der majestätische Jubiläumsflügel op. 10.000 - dessen stilistische Ausführung trok seines gigantischen Formates graziös wirkt.

Ueber Tonfülle und Klangwirkung, sowie die Dauerhaftigkeit der Instrumente dieser Firma zu sprechen, halten wir für überflüssig, da der Name Ehrbar ein vorzügliches Renommee im In- und Auslande hat. Herr Friedrich Ehrbar jun., welcher nun die Leitung der Fabrik persönlich führt, ist ebenso wie sein Vater bemüht, den Namen auf der gleich hohen künstlerischen Stufe zu erhalten.

Die Alleinvertretung dieser Flügel für ganz Steiermark hat die Inhaberin des renommierten Clavier-Etablissements Gabriele Dulnig, Graz, Hans Sachsgasse Nr. 3." Grazer Morgenpost, 21/10/1898, p. 156 - voir DULNIG

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pianos viennois 1700 - 1849


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