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STEIN Carl
de Vienne

1856

Biographische Skizze des k.k. Hof-Fortepianoverfertigers Carl Andreas Stein, Ferdinand Luib, 1856

1878

"Stein, Karl Andreas (Piano-Fabrikant und Tonseper, geb. in Wien 4. September 1797, gest. ebenda 28. August 1863).

Ein Sohn des Matthäus Andreas Stein [siehe dens. S. 43, Nr. 8] und der Maria Josepha Theresia Dischler.

Da sich frühzeitig sein musikalisches Talent kundgab, wurde für dessen Ausbildung Sorge getragen, und schon als achtjähriger Knabe konnte sich Karl Andreas in Privatkreisen mit seinem Pianospiel hören lassen.

Indessen wurde er auch im Industriezweige seines Vaters, im Fortepianobau, unterwiesen, und als er 15 Jahre zählte, vom Vater selbst in die Geheimnisse dieses Kunstzweiges eingeweiht. Um auch nach anderer Seite sich praktisch zu üben, begann er, 18 Jahre alt, selbst Unterricht zu ertheilen, und wurde bald ein gesuchter Clavierlehrer. Dabei seßte er jedoch seine eigenen Studien fort und wurde ein Schüler Emanuel Alois Förster's [Bd. IV, S. 273] im Generalbaß und in der Composition.

Im Jahre 1818 trat et in einem Concerte der berühmten Angelica Catalani öffentlich auf, und trug im Vereine mit Clement [Bd. II, S. 384] und Linke [Bd. XV, S. 215] die Polonaise concertante für Pianoforte, Violin und Violoncello von Beethoven vor. Im Jahre 1823 veranstaltete er am 16. Februar selbst ein Concert, zum Besten des Vereines adeliger Frauen zur Beförderung des Guten und Nüßlichen.

Im folgenden Jahre gab er in Ofen eine musikalische Abend Unterhaltung. In diese Jahre seiner heranreifenden Selbständigkeit fallen sein Verkehr mit K. G. Reissiger, welcher damals, mit der Composition der Oper "Das Rockenweibchen" beschäftigt, in Wien sich aushielt, und mit Beethoven, welcher Tonheros tiefen Eindruck auf das empfängliche Gemüth Stein's machte.

Im Jahre 1828 reichte er um die Claviermacherbefugniß ein, die ihm auch Anfangs 1829 verliehen wurde; nun gab er den Unterricht im Clavierspiele auf und widmete sich aus. schließlich seinem Geschäfte als Claviermacher.

Er betrieb dasselbe mit großer Umsicht und erwarb sich auf mehreren Reisen, welche er innerhalb der Jahre 1830-1836 theils im Interesse seines Geschäftes zur Anknüpfung von Verbindungen, theils um die Fortschritte und Verhältnisse des Clavierbaues in anderer Herren Ländern durch den Augenschein kennen zu lernen, unternahm, mannigfaltige Erfahrungen, welche seine industriellen Zwecke förderten.

Die erste Reise im Jahre 1830 ging über Laibach, Triest nach Oberitalien, wo Mailand das Endziel derselben war; im Herbst 1833 ging die zweite Reise nordwärts über Prag, Dresden, Leipzig, Berlin, Hamburg. Hannover, Frankfurt a. M., Mannheim, Augsburg, München; im Frühling 1836 richtete er seinen Ausflug westwärts, nach Paris, Brüssel, Antwerpen, selbst London, das er aber bald verließ und dann über Rotterdam und durch die bedeutendsten Städte des westlichen Deutschland wieder heimkehrte.

Auf diesen Reisen trat er mit verschiedenen Künstlern, so in Mailand mit der Pianistin Montgolfier aus Paris, in Prag mit J. P. Piris, in Leipzig und in anderen deutschen Städten mit Friedrich Wieck und dessen Tochter Clara, mit Jeannette Boutibonne, Charlotte Birch Pfeiffer, Lindpaintner, Molique, Max Bohrer und dessen Gattin Luise, in Paris mit Chopin, Meyerbeer u. A. in näheren Verkehr, und machte in Hamburg die unliebsame Entdeckung, daß man sich seines Namens Stein freilich mit anderem Taufnamen (Ferdinand) - bediente, um elende Machwerke von Instrumenten an Mann zu bringen, wodurch aber der gute Ruf seiner Fabrikate leiden mußte, was ihn zur öffentlichen Erklärung zwang, daß eine Firma Ferdinand Stein in Wien gar nicht existire, und nur ein Andreas Stein (sein Vater) und Karl Stein (er selbst) Claviere ver fertigen, alle anderen unter dem Namen Stein aus Wien stammenden Instrumente betrügerische Fabrikate seien.

Im October 1841 legte Stein seine Claviermacher Befugniß nieder und schritt um Verleihung des Gewerbe und Bür. gerrechtes für Wien ein, das ihm auch im Jahre 1842 gewährt wurde. Im November 1844 erhielt er aber in Berücksichtigung seines ausgebreiteten Geschäftsbetriebes im In- und Auslande und seiner Verdienste um die Verbesse. rung des Fortepianobaues den Titel eines k. k. Hof-Fortepiano-Verfertigers.

So blieb Stein fortwährend für He. bung des von ihm betriebenen Industrie. zweiges thätig und seine Firma war in ihrem Gebiete nicht nur eine der ersten in Wien, sondern ihr Ruf verbreitete sich weit über Desterreichs Grenzen. Stein war auch Compositeur, und die Uebersicht seiner Compositionen folgt unten.

Seit dem Jahre 1837 mit Elisabeth Hörde, Tochter eines Wiener Magistrats-Beamten, vermält, stammen aus dieser Che mehrere Kinder. Stein's Wirken im Interesse seines Faches, wie der Kunst, fand auch in Fachkreisen Anerkennung.

So ernannten ihn u. a. schon im Jahre 1836 der Cacilien Verein in Karlsruhe, im Jahre 1845 der Musik. verein in Graz zum Ehrenmitgliede, und auf der Wiener Industrie - Ausstellung des Jahres 1845 wurde ihm die silberne Medaille zuerkannt.

Noch sei bemerkt, daß die Vorzüglichkeit der Stein'schen Instrumente die ersten Tonkünstler und Virtuosen veranlaßte, sich derselben bei ihren öffentlichen Productionen zu bedienen; wir nennen nur Namen wie Liszt, Rubinstein, Alfr. Jaell, Karl Czerny, C. M. v. Bock. let, Jos. C. Kepler, Leschetipky, J. A. Pacher u. m. a. - v. Wurzbach, biogr Lerikon. XXXVIII. [Sedr. 22. Sept. 1878.

Uebersicht der Compositionen von Barl Andreas Stein.

„VI Allemandes avec Trios et Coda pour le Pianoforte" (Wien).
„XII Ecossaises pour le Piano" (Wien, Mechetti), zwei Partien.
„ XII Allemandes pour le Piano" (Vienne et Pest).
„Acht Variationen für das Pianoforte über ein Thema aus dem Lustspiele: „Die Bürger in Wien" (Wien, Cappi) „ Sechs Märsche mit Trios für das Pianoforte" (ed.).
„III Polonaises pour le Piano à 4 mains"
„IX Ecossaises pour le Piano (ebd).
„IX Valses pour le Piano" (Vienne, S. A. Steiner et Comp.).
„Algieri Walzer für das Pianoforte" (Wien Sprenger)
„Polonaise für das Pianoforte" (ed.).
„Variationen für das Pianoforte über das beliebte Lied aus dem Zauberspiele: „Der Schatten von Faust's Weib" (ebd.).
„Variationen" über die beliebte Polonaise aus der Oper: „Tancred" für das Pianoforte" (ebd.).
„Sechs Variationen, Marsch mit Trio und Allemande mit Trio, für das Pianoforte" (Wien, Mechetti)
„Scherz und Ernst. Musikalische Skizze für das Pianoforte" (Wien, Paterno).
Sechzehn Faschings-Unterhaltungen für das Pianoforte, bestehend in Menuetten, deutschen Landern, Ecossaijen, Polonaisen u s. w." (Wien, Sprenger).
„La tendresse. Rondeau pour le Piano" (Vienne, Tranquillo Mollo).
Sechs Walzer mit Coda" (Wien, C. Lichtl).
„Variationen für das Pianoforte. über eine beliebte Romanze aus der Oper das „Rosenbutchen" (Wien, Sprenger).
Pièces détachées pour le Piano" (Vienne, Sprenger).
„Karolinen Tänze für das Pianoforte" (ed.).
„Variations pour le Piano sur un thème de l'opéra „Elisabeth" di Rossini" (ebd.). „Zelmira, Walzer für das Pianoforte" (Wien, Artaria).
„Sechs Walzer mit Coda für das Pianoforte" (ebd.).
„VI Valses avec Coda pour le Piano" (Vienne, Cappi).
„Potpourri für Pianoforte, Flöte, Violine und Violoncell" (Wien, Artaria).
„Walzer mit einem Hopp Ländler für das Pianoforte" (ebd.).
„Amusement pour le Carnaval, pour le piano, consistant en Menuets, Valses, Ecossaises etc." (Wien, Sprenger).
Six Polonaises suivies d'une marche pour le Piano à 4 mains" (Vienne, Artaria).
Sechs Walzer mit Trios und Coda" (Wien, Lichtl).
„Variationen über ein Thema aus der Oper: „La Donna del Lago" für das Pianoforte" [Wien, Artaria).
Variations sur une valse autrichienne de M. le Comte W. R. de Gallenberg pour le Piano" (Wien, Sprenger).
„Le retour du printemps. Fantaisie pour le Piano" (Hambourg, A. Cranz).
„Wiener Walzer für das Pianoforte, zweis und vier bandig" (Hamburg, A. Cranz).
„Sechs Walzer sammt Trios und Coda für das Pianoforte" (Wien, Ataria).
„Die fröh itchen Wiener Walzer für das Pianoforte" (Leipzig, Friedr. Hofmeister).
„Variationen für das Pianoforte über das beliebte Thema is nur eine Kaiserstadt, 's is nur ein Wien".
Aus dem Singspiele „Aline oder Wien in einem anderen Welttheile" (Wien, Paterno).
„Wien, London, Paris und Constantinopel. Charakteristisch musikalische Skizze für das Pianoforte" (Wien, Bermann).
„La Partenza, en forme de Rondeau pour le Piano" (Vienne, Tranquillo Mollo).
„Trois marches pour le pianoforte" (Vienne, A. Diabelli et Comp.).
Variationen über das Thema Es thut's halt nimmermehr" aus der "Fee aus Frankreich" (Wien Artaria).
Valses sentimentales pour le Piano" (Vienne, Tob. Haslinger).
„Valses pour le Piano" (ibid).
„Friedensklänge. Walzer nebst einem Doublirmarsch für das Pianoforte" (ebd.). Außer diesen int Stiche er, schienenen Werken hat S. Mehreres in Handschrift hinterlassen; so zwei Clavierconcerte für Orchester in Es und F-dur, vier Par tien Variationen für das Pianoforte mit Orchester in C, A, G und Es-dur; Adagio und Rondeau für die Physharmonika mit Orchester, Rondeau für die Violine mit Orchester; zwei Ouverturen für großes Orchester in C und D-dur; mehrere Compositionen für das Pianoforte allein und eine komische Oper „Die goldene Gans". Text von Langbein. Auch ist er der Verfasser der in Wien erschienenen Schrift: „Bemerkungen über das Spielen, Stimmen und Erhalten der Fortepianos", welche beachtenswerthe Rath schläge und Winke über die Behandlung des Claviers enthält.

Luib (Karl Andreas), Biographische Skizze des k. k. Hof Fortepianoverfertigers Karl Andreas Stein (Wien 1856, Zamarski, 120.).
Allgemeine Wiener Musik Zeitung. Herausgegeben von Dr. August Schmidt (40.), V. Jahrg. (1845), S. 334,
Recensionen und Mittheilungen über Theater und Musik. (Redigirt von dem Fürsten Czartoryski) (Wien, 40.) IX. Jahrg. (1863), S. 576." Biographisches lexikon des kaiserthums Oesterreich ..., Volumes 38-39, Constant von Wurzbach, 1878, p. 33-35

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